Kurz per pedes die wunderschöne Umgebung erkundet, starteten wir auch schon in unsere „Biowoche“ mit einem Bio-Kochkurs in der Küche von Andreas Raich (über einige Ecken übrigens verwandt mit Benjamin Raich, dem Skifahrerprofi aus dem Pitztal). Gemeinsam putzten, schnitten und garnierten wir das Abendessen für 75 Personen. Während dieser Vorbereitungen hatten wir die Gelegenheit, uns von Andy etwas über Bio und die damit verbundene Zertifizierung erzählen zu lassen.
Vorweg will ich sagen, dass diese Zertifizierung ganz und gar keine einfache Sache ist und hoch geschätzt werden muss! Das Hotel Panorama ist nämlich Bio-Austria zertifiziert, was bedeutet, dass die Lebensmittel zu 100% aus biologischer Landwirtschaft stammen müssen. Die Beschaffung dieser Lebensmittel stellt sich deshalb logischerweise als besonders schwierig heraus. Wo es geht, wird dann schon auch auf regionale Herkunft gesetzt. Andy würde gerne Kräuter aus dem Haus-eigenen Garten verwenden, doch dies ist erst nach der Kontrolle ihres Beetes durch Bio-Austria möglich. Er meinte, dass er außerdem nicht einfach in den Wald hinterm Haus gehen und die frisch gepflückten Eierschwammerl in seinen Speisen verwenden kann. Kontrolle wird bei Bio-Austria groß geschrieben! Koch Andy aber auch Hauseigentümerin Tatiana Merkel und Managerin Frau Lanz sind sich einig, dass diese Kontrollen notwendig sind. Nur so können sie für jeden Gast nachvollziehbar ein Zeichen für Qualität setzen! Laut Andy wird dies vom Gast zwar sehr gut angenommen, dennoch scheint die Gästeklientel in einem Wintersportgebiet vor allem eben zur Wintersaison noch keine so hohen Ansprüche an regionales, saisonales und ökologisch nachhaltiges Essen zu stellen. Der Kunde wünscht sich zu jeder Zeit alles verfügbar zu haben.
Hier möchte ich aber auch einmal den Konsumenten in die Pflicht nehmen, denn er ist in diesem Fall eine Art „Ko-Produzent“. Die Hotels müssen sich natürlich um zu bestehen nach den Wünschen ihrer Gäste orientieren und so ihr Angebot abstimmen, wodurch nachhaltiges Essen nun entweder geachtet und gefördert oder eben wie leider so oft noch nur belächelt wird.
Unser köstliches Abendessen verspeist machen wir uns auf den Weg zur Bio-Weinverkostung bei “Weltuntergangsstimmungswetter” im Pitztal. Hier ein schneller Blick auf die umfangreiche Bio-Weinkarte des Hotels Panorama.
Dass Bio-Weine inzwischen absolut mit anderen Top-Weinen mithalten können ist seit langem bekannt – für mich spannend: auch preislich gesehen sind sie erschwinglich, was meiner Meinung nach ein sehr gutes Zeichen für die Gesellschaft setzt, denn leider stellt „Bio“ oft ein Synonym für Luxus und Exklusivität dar. Dieses Denken würde ich gerne aus den Köpfen der Menschen schwinden sehen. Ich denke, dass jeder die Möglichkeit haben soll, sich bewusst zu ernähren. Ich als zukünftiger Biologielehrer werde bestimmt versuchen, den Schülern und Schülerinnen, diese Art der bewussten Ernährung, die Achtung vor der Natur und deren Bewahrung näherzubringen. Früher oder später muss ohnehin ein großes Umdenken in der Gesellschaft stattfinden, beginnen wir also noch heute!
Fazit zum Wein: Edelretzer Merlot vom Bio-Weingut Herbert Schleinzer – absoluter Lieblingswein
“Tag der Düfte” – Natur & Spa Hotel Panorama
posted on 24.07.2011 - Zirbe, Zirbe, noch mehr Zirbe, Apfel, Lavendel, Kamille, Salbei! Nach den Entspannungsübungen am Morgen und einem ausgewogenen Frühstück entführten uns Frau Merkel und Frau Lanz zu einem spannenden Ausflugstag. Erster Stopp war die Firma Chrystal (auch „alpienne“) in Jerzens im Pitzal – von der das Hotel die gesamte Zirbenausstattung und einige Naturkosmetikprodukte (natürliche Inhaltsstoffe wie Vogelbeere, Arnika, Propolis, Johanniskraut,… sogar mit selber hergestellter Basis, alles in Handarbeit!) bezieht. Mit Martin Gundolf betraten wir die mit wohltuendem (und auch narkotisierendem / dazu weiter unten mehr) Zirbenduft erfüllte Werkstatt. Dort erfuhren wir auch diesmal wieder von einigen Schwierigkeiten, die eine Bio-Zertifizierung mit sich bringt.
Besonders interessant –und daher möchte ich dies gerne etwas hervorheben – empfinde ich einige Infos über die Zirbe, mit denen wir gefüttert wurden:
Zirbelkiefer – Arve – Zirbe – Pinus cembra
- im Pitztal stellenweise extrem hohes Aufkommen (wichtiger Lawinenschutz im Winter) und dank nachhaltiger Aufforstung ruhigen Gewissens zu verwenden – jeder Bauer bekommt 0,2m2 Zirbe pro Jahr
- stellt die Waldgrenze im Gebirge dar (1750m – 1950m)
- spezielle Form eines Flachwurzlers – wird nach 15 Jahren zum Tiefwurzler – wächst extrem langsam; – benötigt Almrose zum Gedeihen
- wird bis zu 3000 Jahre alt
- 23 ätherische Öle, zwei davon geruchsneutral und für eine narkotisierende Wirkung zuständig / in einem Zirbenzimmer „spart“ man pro Tag 3500 Herzschläge!
- einige in Handarbeit, klimaneutral und naturtreu gefertigte Produkte: Hirse-Zirbenkissen, Zirbenbetten, Zirbenschnaps, Zirbenrosen-Bäder, ätherische Öle, Zirbenklimabox (Luftbefeuchterbox, ionisiert die Luft und gibt Duft, 50 Watt, 750m3 pro Tag, komplette Handarbeit mit natürlichen Materialien, funktioniert ohne Strom!!!)
- weitere interessante Infos zur Zirbe siehe: http://www.zirbe.info/
-> Chrystal setzt auf Handarbeit, wann immer es möglich ist. Wir dürfen kurz ins Lager schauen, wo wir sogar einige flinke Hände beim Verpacken erblicken können!
Weiter ging’s zum einzigen Bioapfelbauern in Tirol, Rudi Wammes in Haiming / Ötztal, der uns durch seine Plantagen und ins Lager der Verkaufsgemeinschaft Oberinntalobst führte. „One apple a day keeps the doctor away“ – und wenn es dann auch noch ein Bio Apfel ist, leistet man dazu noch Hilfe für eine nachhaltige Landwirtschaft!
Insgesamt hat Herr Wammes bereits 5 Hektar von 13 auf Bio umgestellt. Dort wachsen vier Sorten, die er allerdings erst seit dem letzten Jahr als Bio verkaufen kann. So eine Umstellung dauert um die drei Jahre, ist nicht billig und schon gar nicht einfach. Die komplette Apfelproduktion verläuft anders als in einem konventionellen Betrieb: man darf keine Herbizide verwenden, andere Spritzmittel müssen eingesetzt werden, nur organische Dünger und Spurenelemente sind erlaub. Auffällig ist, dass auf den Bio-Plantagen der Bauer viel öfter beim Spritzen zu sehen ist als auf den konventionellen. Dieses Bild irritiert viele Menschen, doch man muss hier einfach beachten, dass die höhere Spritz-Frequenz durch die speziellen schwächeren Spritzmittel verursacht ist und dieser Belag weniger haltbar ist – also absolut normal und keinesfalls schädlicher als die konventionellen starken Mittel! Ein Monat vor Ernte wird absolut auf das Spritzen verzichtet, konventionell bis zu 7 Tage vorher noch!
Das klingt zwar super, stellt für den Biobauern allerdings ein großes Risiko dar, da während der anschließenden Lagerung ein höheres Risiko für Pilzbefall und somit für den Verlust der gesamten Ernte besteht!
Läuft alles gut bekommen wir folgendes Ergebnis: 30 Tonnen Bio-Äpfel mit hervorragender Qualität, weniger Dünger, bessere Böden durch Biodünger und mehr Würmer. Interessant empfinde ich auch die Tatsache, dass Bio-Äpfel im Supermarkt speziell (und sehr teuer) abgepackt werden müssen. Anscheinend stellt es sich derart dar, dass viele Käufer, wären die Äpfel nicht als Bio-Pack vorgepackt, die Äpfel als konventionelle betiteln, abwiegen und daher zu wenig bezahlen würden… Den Aufwand, die Kosten, die Mehrarbeit, die Bio-Äpfel einfach noch mit sich bringen, müssen gewürdigt werden, um Menschen zu motivieren, umzustellen und voll auf Bio zu setzen. Ich glaube, dass viele den Umstieg gerne wagen würden, lohnte er sich auch!
Einen wunderbar entspannenden Abschluss unseres Dufttages schenkt uns die Kräutersauna des Hotels mit drei wohltuenden Aufgüssen – Lavendel, Kamille, Salbei – erschöpft fallen wir wieder in unser Zirbenbett. Ich wünsche eine erholsame Nacht!










