Nassereith/München, Januar 2011. Wo Bio drauf steht, muss auch Bio drin sein! Bei Bio-Lebensmitteln gilt dies als selbstverständlich und wird durch die EU-Ökoverordnung streng reglementiert. Beim Tourismus allerdings fehlen klare Regeln und Zertifizierungen. Einzige Ausnahme: Die Vereinigung der BIO-Hotels. Deren Standards setzen bislang einmalige Maßstäbe für Öko-Tourismus in Europa. Deren wichtigste Prämisse: Kontrolliert biologische Lebensmittel!
Wer seinen Betrieb mit dem Qualitätssiegel der BIO-Hotels schmücken will, muss die Küche vollständig auf Bio umstellen. Fleisch, Gemüse, Obst, Kräuter und Gewürze – alles kommt aus zertifizierter Biolandwirtschaft, die mindestens die Standards der EU-Ökoverordnung erfüllt. Durch Kooperationen mit Anbauverbänden mit jahrzehntelanger Erfahrung, gehen die BIO-Hotels in vielen Fällen sogar weit über die gesetzlichen Standards hinaus. So garantieren die noch strengeren Anbaurichtlinien von zum Beispiel Bioland beste Bio-Qualität.
Jedes BIO-Hotel bietet mindestens ein Vollwertmenü und ein vegetarisches Gericht auf seiner Karte an. Übrigens: Die schonende Zubereitung der Speisen liegt den BIO-Hotelköchen besonders am Herzen; deshalb sind Mikrowollengeräte tabu. Konventionelle Lebensmittel genehmigt der Vorstand der BIO-Hotels nur von Fall zu Fall, zum Beispiel bei regionalen Spezialitäten, die es (noch) nicht in Bio-Qualität gibt. Das gilt auch für Lebensmittel aus Wildfang und Wildsammlung (z.B. Reh, Hirsch, Bachforelle, Kräuter, Pilze oder Beeren). Hochseefisch darf nur aus nachhaltigem Fischfang stammen. Diese Ausnahmen sind für den Gast klar erkennbar durch einen Hinweis auf der Speisekarte gekennzeichnet.
Bio ist gut – Bio-Produkte aus der Region sind noch besser! Denn sie unterstützen die heimische Landwirtschaft und schonen durch kurze Transportwege die Ressourcen; außerdem fördern und erhalten sie regionale Eigenheiten. Darum setzen sich die BIO-Hotels für die regionale Küche ein und fördern ihre Mitglieder bei deren Verbreitung.
Nicht nur bei allen Speisen - auch bei Getränken gilt die Zielvorgabe „100 Prozent Bio“. Bei Tees, Kaffee, Softdrinks und Säften ist dies schon umgesetzt, ebenso bei den meisten alkoholischen Getränken. Gerade regionale Spezialitäten wie Schnäpse und andere Spirituosen, aber auch verschiedene regionale Biere und Weine, gibt es nicht immer in Bio-Qualität. Zudem sind einige Hoteliers an langfristige Schankverträge mit konventionellen Brauereien gebunden. Deshalb erlauben die Standards der BIO-Hotels noch in einer Übergangsphase konventionelle Getränke, wenn keine vergleichbaren Bio-Produkte verfügbar sind. Ab 2011 gilt dann bei allen Getränken: 100 Prozent Bio!
In der Landwirtschaft braucht es seine Zeit, bis ein konventioneller Betrieb auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt ist. Auch bei einem Hotel- oder Gastronomiebetrieb kann es bis zu 15 Monaten dauern, bis alle Prozesse nach den strengen Richtlinien der BIO-Hotels funktionieren. Die Betriebe werden in dieser Phase intensiv beraten und unterstützt. Erst wenn die Zertifizierung vollständig abgeschlossen ist, darf sich der Betrieb BIO-Hotel nennen und das Markenzeichen des Vereins nutzen.
Neu ist der Status „BIO-Hotel in Umstellung“: Bei Bedarf begleitet der Verein ein neues Mitglied über ein Jahr intensiv auf dem Weg zu 100 Prozent Bio. Während der Umstellungsphase gesteht der Verein Ausnahmen von den strengen Richtlinien der BIO-Hotels zu; diese sind für die Gäste vor Ort erkennbar und die betreffenden Häuser tragen ein Umstellungs-Symbol. Die Umstellungsregelung endet nach maximal zwölf Monaten; bis dahin muss der Betrieb die Vereinsrichtlinien gänzlich erfüllen, um sich zukünftig Mitglied der Gruppe der BIO-Hotels nennen zu dürfen.
Für die Qualitätssicherung in den Betrieben findet jedes Jahr eine angekündigte Begehung mit Kontrolle der Waren-Ein- und Ausgänge statt. Darüber hinaus müssen die Betriebe mit mindestens zwei unangekündigten Stichproben rechnen. Wie im Rahmen der EU-Ökoverordnung üblich, werden diese Kontrollen von unabhängigen Bio-Kontrollstellen durchgeführt. Für die regionale Betreuung und den Austausch vor Ort arbeiten die BIO-Hotels eng mit den Bio-Anbauverbänden Bioland, Bio-Austria und anderen Verbänden zusammen. Sollte es zu Verstößen kommen, werden diese von der Kontrollstelle an den Verein gemeldet. Dieser kann drastische Sanktionen verhängen – von Geldstrafen bis hin zum Vereinsausschluss.
Was für Lebensmittel europaweit einheitlich in der EU-Ökoverordnung geregelt ist, steckt im Non-Food Bereich noch in den Kinderschuhen. In diesem Jahr sind die BIO-Hotels in ihrem Bestreben, dem Gast einen Wohlfühlurlaub mit ganzheitlicher Öko-Garantie zu bieten, aber wieder einen großen Schritt voran gekommen. Beim Ressourcenmanagement und -verbrauch schauen die BIO-Hotels ab sofort ganz genau hin: Die Häuser werden mit dem ehc-Label (eco hotels certified) zertifiziert. Die Mitglieder durchleuchten dafür ihren Betrieb hinsichtlich des Verbrauchs von Wasser und Energie sowie ihres Müllaufkommens und den damit verbundenen CO2-Emissionen. Alle Werte werden dann im Rahmen eines dynamischen Systems miteinander verglichen. Die Benchmark, die es für alle mindestens zu erreichen gilt, um die Zertifizierung zu bekommen, orientiert sich dabei ganz organisch immer an den Besten, so dass es einen stetigen Verbesserungsprozess gibt. Mit dem ehc-Label sind neben einem möglichst niedrigen Ressourcenverbrauch u.a. auch der Bezug von Ökostrom und die Verwendung von Recyclingpapier oder von Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft verbunden.
Seit 2009 finden die Gäste der BIO-Hotels in ihren Zimmern bei Shampoo, Duschgel, Seife etc. nur noch kontrollierte Naturkosmetik vor, die die Kriterien eines der folgenden Labels erfüllen muss: BDIH, Ecocert, Natrue, ABG und ICEA. Weitere Zertifizierungen werden auf Antrag der Hersteller geprüft und nur nach Beschluss durch den Vorstand in die Positivliste des Vereins aufgenommen. Auch für die Anwendungen im Wellnessbereich gilt bis spätestens Ende 2011: Umstellung auf 100 Prozent kontrollierte Naturkosmetik. Aber bereits jetzt muss jedes BIO-Hotel garantiert naturkosmetische Produkte bei Massagen, Gesichtsbehandlungen & Co. einsetzen.
Schwieriger ist es, Standards bei der baulichen Gestaltung der BIO-Hotels und deren Einrichtung zu setzen. Trotzdem sind viele Hotels aus eigenem Engagement und auf Basis einer gelebten, nachhaltigen Philosophie auch hier wieder einen Schritt voraus: Naturholzmöbel, Textilien aus Biobaumwolle und Verzicht auf schädliche Lacke und Farben sind in den meisten Häusern schon heute Standard. Viele BIO-Hotels bieten zudem elektrosmogfreie Zimmer mit Nachtfreischaltung, Allergiker-Ausstattung und Feng Shui-Architektur. Einige BIO-Hotels verfügen über eigene Biomasse-Heizkraftwerke, Solaranlagen oder sind sogar von Grund auf und komplett baubiologisch errichtet worden. Über dieses zusätzliche Engagement kann sich jeder Gast mittels des Katalogs und auf der Website der Gruppe informieren.
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Sylvia Raabe, BIO-Hotels Pressebetreuung
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