posted on 10.07.2011- Rechtzeitig vor dem Sommergewitter treffe ich im überaus gemütlichen Haus des Moor&Mehr Bio-Kuhrhotels Panorama im bayrischen Bad Kohlgrub ein. Nach der doch etwas langen Zugfahrt aus Wien, mache ich sehr gerne Gebrauch von der dann doch überraschend luxeriösen Wellnesseinrichtung des Hauses. Ich sehe schon: Bio und Wellness widersprechen sich in keinster Weise! Für heute bleibe ich, ganz klassisch, bei Dampfbad, Schwimmbad und Sauna. Morgen wird´s dann rustikaler- da wartet um 5.30 in der Früh das Moorbad auf mich. Über die gesundheitlichen Aspekte des Bergkiefernhochmoores (eine echte Seltenheit), welches hier im Haus unter anderem zur Behandlung von Unfruchtbarkeit, Gelenksschmerzen und als allgemeines “Doping für das Immunsystem” eingesetzt wird, klärt mich Frau Andrea Fend, die Chefin des Hauses auf. Ebenso erhalte ich eine Einführung in die Philosophie Hildegard von Bingens, welche auch maßgeblich die Küche des familiären Betriebes beeinflusst. So bekomme ich auch zu meinem, zugegebnermaßen nicht ganz Hildegard-tauglichen, Abendbrot ( köstliche Schinken und Käse aus der Region) auch die passenden verdaungsfördernden Gewürze sowie ein Gläschen Wermutelexier dazu. Dieses Elixier wird, gemeinsam mit einem herrlichen Dinkelbier, auch mein Schlaftrunk werden, da ja die Stunden in meinem Himmelbett nur wenige sein werden.
Voll(ein)gepackt mit schönen Sachen
posted on 12.07.2011 - Also ich sag´s gleich: Die angekündigte Uhrzeit von 5:30 wurde es dann doch nicht. Mir wurde “Aufschub” gewährt und so stieg ich erst um 7:45 in die 42 Grad heiße Moorbadewanne. Wie man auf dem Foto oben erkennen kann, genoss ich das Suhlen im – naja – Dreck ziemlich. Diese kompakte Wärme, die einen umgibt, dieses Verbundensein mit der Materie Erde – das hat schon was für sich. Ich verstehe jetzt Schweine und alle anderen Schlammliebhaber ein Stückchen besser. Allerdings so richtig sauwohl fühlte ich mich dann erst im Ruhezimmer, eingewickelt in kuschelige Decken mit Blick auf die morgendlichen Alpen. Ja, ja, ich weiß: Der Job ist verdammt hart, aber einer muss ihn ja machen! Doch sogar noch eine Steigerung meines Wonnegefühls war möglich, und zwar durch die geradezu hirnerweichend-gute Massage der Frau Gut. Benommen vor Wohlgefühl und körperlicher Erschöpfung, ließ ich den Tag im Weiteren ganz ruhig angehen. Dazu hatte mir auch Frau Fend geraten, denn immerhin sind Moorpackungen offiziel anerkannte Heilmittel mit denen nicht zu spaßen ist. Nur wer körperlich fit ist und auch keine schweren Krankheiten hinter sich hat, darf in das feuchte Schwarz. Insofern möchte ich meine Einschätzung von gestern auch ein wenig korrigieren, denn es handelt sich bei Moor&Mehr nicht um ein reines Wellnessvergnügen, sondern vor allem um einen Ort der Heilung und Gesundung. Das mit dem Wohlfühlen und Entspannen kommt aber natürlich auch nie zu kurz. So setzte sich mein Programm mit einem großzügigen und (natürlich) gesunden Frühstück, ein paar lehrreichen Stunden mit Frau Fend im Kräutergarten, Spaziergängen und, jetzt soeben, mit bayrischer Hausmannskost auf tollem Niveau fort. Ich kann wirklich mit Fug und Recht behaupten: Gut geht´s mir!
PS: Moorstiche, also die Grundlage woraus dann mit heißem Wasserdampf die Moorbäder zubereitet werden, lassen sich auf beste Weise wieder in den natürlichen Kreislauf zurück führen. Man muss sie nur wieder ins Moor bringen und dort für einige Jahre ruhen lassen, damit sich das Material regeneriert. Dann ist es wieder lebendiges Moor und kann als solches natürlich auch für Moorstiche dienen.
richtig abhängen
posted on 12.07.2011- Zum Abschluss meines Besuches bei der Familie Fend in Bad Kohlgrub, möchte ich mich ganz auf mein Lieblingsthema Essen konzentrieren. Bei Moor&Mehr wird die biologische Kulinarik um zwei weitere Faktoren erweitert: Erstens betreiben die Fends ihren eigenen Biobauernhof und Zweitens haben sie sich der Philosophie Hildegards von Bingen verschrieben. Zweiteres führt dazu, dass man zum Beispiel vergebens “verschleimende Früchte” wie Pfirsich oder Erdbeeren in den Gerichten oder am Frühstücksbuffet finden wird. Dafür kommen umso mehr heilbringende Gewürze, Kräuter und Gemüse auf den Teller bzw. aufs Buffet. Und da diese Dinge auch hervorragend schmecken, bin ich gerne bereit meinen Nahrungshorizont zu erweitern. Gerade die Schmackhaftigkeit, aber auch die Heilsamkeit, der heimischen Kräuterwelt sind für mich noch weitgehend unbekanntes Land. Übrigens wird man auch als leidenschaftlicher Fleischesser bei den Fends nicht unglücklich. Im Gegenteil: der Genuss einer Rindsroulade vom Ochsen aus eigener Aufzucht gestern Abend, hat mir wieder mal wunderschön vor Augen (das heißt eigentlich in den Mund) geführt, wie grandios Fleisch schmecken kann, wenn man die Tiere nur richtig behandelt. Allerdings muss man nicht nur mit den Tieren, sondern auch mit ihrem Fleisch korrekt umgehen. Damit die Fend´schen Ochsen so zart auf der Zunge zergehen, lässt Herr Fend ihr Fleisch zwei bis drei Wochen abhängen. Das verursacht natürlich einen großen Gewichtsverlust von bis zu einem Drittel des Lebensgewichtes. Im normalen Verkauf sind nur wenige Abnehmer bereit, diese Mehrkosten auch mitzutragen. Ein Problem, welches viele Produzenten von hochwertigen Lebensmitteln betrifft. Doch über all dies müssen sich die Gäste des Moor&Mehrs keine Gedanken machen- sie dürfen einfach genießen…