Biodyssey im BIO-Hotel Zur Scheune

    Informationen über ALEJANDRO BOUCABEILLE
    09.-11. September 2011

    In Deutschlands größter Feldsteinscheune ...

    posted on 06.10.2011 - Freitag, der 9. September 2011, ca. 18:00 Uhr. Spät angekommen, aber doch. Ich befinde mich in Bollewick. Einem kleinen Ort, ca. 30 Minuten Fahrzeit mit dem Auto von Waren/Müritz entfernt. Bekannt für die „Scheune“, wie dieses Gebäude vor dem ich mich befinde von den Mitarbeitern aber auch den Einheimischen und Touristen lieblich genannt wird. Was aber zum Thor (Wortspiel, nach dem germanischen Gott, der in der Nähe auch angebetet wurde…) führt mich von so weit weg genau an diesem so rustikal eingerichteten Ort mit vor allem traditioneller Volksmusik (was ja in Tirol auch nicht meine Vorliebe ist!)? Die Frage stelle ich mir nicht nur einmal… Schnell eingecheckt, Zimmer bezogen, umgezogen (es ist doch etwas wärmer…yuppie!)…und schon befinde ich mich mitten in dem Hotelrundgang. Das schön gelegene Hotel Scheune bildet nur einen Teil des Gebäudekomplexes der „Scheune“. Dieses ist ein Marktzentrum (verschiedenste Manufakturen und Ateliers von Malerei bis Textilverarbeitung befinden sich hier) aber auch ein Veranstaltungszentrum. Während ich dessen größten Raum betrete, wo gerade das 700 jährige Jubiläum des Ortes gefeiert wird, tönt aus dem Hintergrund der langsame, traditionell klingende Rhythmus des Liedes „so ein Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle…“

    Noch einmal stelle ich mir die obige Frage…(dies soll alles nicht so ernst genommen werden, ein bisschen Satire gibt dem Leben Würze, das denke ich mir auch!).

    Doch, ab hier gibt es kein zurück. Wie Euridyke in der griechischen Mythologie, darf und soll ich nicht zurückschauen. Das sollen entwickelt sich allerdings ab jetzt schlagartig in ein episches nicht-wollen. Ich will hier gar nicht weg…Die anfängliche, nicht ganz klar beschreibliche Un-Lust eines jungen Mannes hier zu bleiben, wandelt sich urplötzlich in eine angemessene, gesunde Neugier und Lust. Nach dieser Metamorphose werde ich entspannter. Aufgrund meiner jüngsten Verkühlung (schon wieder! Wahrscheinlich weil ich auf Gut Gremmelin lange mit dem Restaurantleiter Helge plaudere und wenig Schlaf bekomme…), ziehe ich mich in mein Zimmer zurück. Wie ein Bär. Zu seinem Wintergemach. Lust, Unlust, weder noch. Noch nicht die festlich schönen Augenblicke auf Gut Gremmelin verarbeitet, bin ich nun, in einem ganz anderen Umfeld. Natürlich. Etwas verständlich. Nun wahrlich, ich bin mir sicher. Die Gefährten der Bioodyssey sind nicht zu beneiden. Es ist viel Arbeit, diese Reise!

    Ja! Aber Arbeit die Spass macht und absolut bereichert. Das Hotel beginnt mir zu gefallen. Vielleicht war ich zu müde. Nun, endet meine eher pessimistische Stimme, die nicht allzu ernst genommen werden soll. Die deutsche Show mit Deutschlands berühmtesten Moderator Günter Jauch „Wer wird Millionär“ wird für mich zukünftigen „Millionenshow“ Kandidaten (21.9!!!) zur Trainingseinheit. Eine Quizsendung für diesen radikalen Fernsehmuffel. Als ich Herrn Reschke, Ricardo Reschke dann zum ersten Mal treffe, fühle ich mich schon wohler. Dieser unglaublich interessante und herzliche Gastgeber meldet sich noch bei mir, nach einem anstrengenden Arbeitstag. Gute Nacht! Ja, gute Nacht!

    Im Traume soll sich viel tun…wer weiß? Ich weiß nur, dass ich mich nie erinnere…aber das ist eine ganz andere Geschichte.

    Allerdings erinnere ich mich heute. Ich träumte von der Idee oder vielleicht Utopie alles auf dieser Welt auf BIO umzustellen (oder zumindest in Österreich). In der Erinnerung hatte ich die Bilder vom Gastgeber Hr. Reschke und mir, wie wir bei gutem Essen philosophierten. Wir kamen zu dem Schluss, dass für eine Umsetzung der BIO-Philosophie vor allem Bewusstsein gehört. Dies verbindet sich mit etwas Bildung und einer bestimmten, relativ guten ökonomischen Situation. Schlussendlich aber (und das kann ich beweisen!), rentiert sich die Umstellung auf BIO zu 120%. Nicht nur weil es tatsächlich billiger und besser kommt, sondern auch weil es gesünder, nachhaltiger und wertvoller ist. Mit der Zeit merkt man auch die geschmacklichen Unterschiede und will dann nichts was nicht BIO ist.

    Als ich nach dem Traum und der Erinnerung wieder zu mir komme, erwartet mich ein leckeres Frühstück. Die Wahl am Frühstückbüffet im herrlichen Gewölbekeller ist groß. Die Frühstücksdame empfängt mich sehr freundlich (wie schon am Anreisetag). Ich lege los…

    Am diesem Tag geht es schon rasch und zackig los. Volles Programm! Viele Informationen und viele Fragen. Mein Interesse, meine Neugier, alles ist in mir geweckt. Ich will wissen, wie die Scheune angefangen hat, mit was für Problemen sie zu tun hatte und noch kämpft, wie das ist, ein Biohotel zu leiten usw.

    Herr Reschke beantwortet alle meine Fragen detailliert. Bei der anschließenden Bier-Degustation (im Familien-Brauhaus Reschke, dass u.a. auch zu seinen gastronomischen Outlets gehört) genieße ich selbstgebrautes Bier (dunkles wie helles, alles Bio!). Er zeigt mir mit viel Geduld und Interesse die Stadt Waren/Müritz, seine verschiedenen Hotels und auch die Scheune. Nach einem leckeren Mittagessen verbringen wir den Abend mit einer Kranich-Tour. Ein absolutes Highlight! Ich genieße die Zeit, die Vögel, den Naturschutzpark, die Landschaft und die interessanten Gespräche mit Herrn Reschke. Der Hausherr erklärt mir auf sympathischer Art und Weise die Geschichte seines Hauses aber auch seine persönliche. Wie er auf die BIO-Hotels gestoßen ist und wie er mit diesen überaus zufrieden ist. Ein interessanter Aspekt ist, dass er viele Gäste noch hätte, die vor der BIO-Zertifizierung Stammgäste waren und eben noch sind, aber mit der BIO-Philosophie nicht wirklich was anfangen könnten. Eine Herausforderung in Aufbruchzeiten, die ich auf meiner Reise durch den verschiedenen Hotels öfter bemerkt habe und die Hr. Reschke sicherlich meistern wird.

    Nun, ich reise ab…

    Wer weiß, was auf mich als nächstes wartet? Ein Abenteuer wie aus der lokalen Müritz-Saga?


    Nachtrag: Besuchen oder nicht besuchen, das ist hier nicht die Frage…

     

    Ich führe mit mir einen Monolog

    Schreibe dann auf meinen Blog

    das Gespräch einer Biohotel-Servicefachkraft

    die versucht hat die kleinen Unterschiede

    mit großer Energie und Kraft

    aufzuzeigen

    zwischen einem einfachen Job und wirklicher Gastfreundschaft

    zwischen einem Beruf und einer Berufung.

    Oftmals erscheint es als zu schwierig

    Gar zu langwierig

    Eine Personal-Kraft zu finden, welche die Bio-Philosophie

    in sich aufnimmt und wiedergibt, gar lebt

    Denn oftmals sind Leute selbst, die

    Das Metier von der Picke auf gelernt

    Nicht die Besten selbst

    Sondern die Quereinsteiger, die oft

    als unbeschriebene Blätter selbst

    Tabula rasa in der Fachsprache nebst

    den besseren Dienst verrichten

    somit die Gäste auch erfreuen,

    ein unbeschwertes Lächeln schenken

    und sich selber ein Geschenk erbringen.


    Mein erstes Bio-Abendessen-Menü, welches ich am ersten Abend im Restaurant der Scheune genoss:

    Als Vorspeise wurde mir eine Art „Griechischer Salat“ serviert, das mich aufgrund des leckeren Schafkäses mit Honig und seiner Konsistenz (weich und auf dem Grill) stark an Griechenland (dem berühmten Saganaki-Käse) erinnerte. Hellas! Als Hauptspeise folgten gebratene Polenta-Klößchen mit einer weißen, schaumigen leckeren Käsesauce und garniert mit weich-knackigem gedünstetem Gemüse. Dazu eine Salatbeilage mit einer grünen Essigmarinade. Die Nachspeise krönte das Dinner: Vanilleeis mit Eierlikör, Apfelmuss und viel Sahne!