posted on 19.07.2011- „Mmmh, isch des guat!“ platzt es spontan aus mir heraus, als ich einen Löffel der Zwetschgen-Schichtspeise probiere. Das Dessert ist so gut, am liebsten würde ich eine große Badewanne damit füllen und hineinspringen. Der Chefkoch lacht als ich ihm diesen Vorschlag mache und erzählt uns, dass dieses Dessert eigentlich aus der Not heraus entstanden ist. Ursprünglich wurden Chriäsi (Kirschen) dafür verwendet. Da aber zu diesem Zeitpunkt keine Chriäsi-Saison mehr war, wurde auf Zwetschgen (Pflaumen) umgestellt. Mittlerweile sind die Restaurantbesucher so begeistert von diesem Dessert, dass der Chefkoch darüber nachdenkt, es fix in seine Karte aufzunehmen.
Dass es manchmal einfach gewisse Obst oder Gemüsesorten nicht gibt, daran hat sich der Chefkoch mittlerweile gewöhnt. Je nach Jahreszeit liefert der bio-dynamisch geführte Hotelgarten 30-50 Prozent der Früchte bzw. des Gemüses. Die verwendeten Kräuter stammen zu 100 Prozent aus dem Garten. Es wird meist das gekocht was Saison hat. Nicht die Köche bestimmt die Speisekarte, sondern die Natur.
Chefkoch Dirk kam vor vier Jahren auf das Schloss Wartegg. Davor kochte er in gehobenen Häusern mit konventionellen Produkten. Heute ist er überzeugter Bio-Koch. Er schwärmt von der ausgezeichneten Qualität der Bio-Produkte, die vorwiegend aus dem Hotelgarten bzw. aus der Region stammen. Gemeinsam mit den Gärtnern geht er alle paar Tage durch den Garten und lässt sich vom Angebot inspirieren. Vor allem die Möglichkeit zum freien und kreativen Arbeiten mit einer Vielfalt an alten Gemüsesorten, Obst, Kräutern und Blüten liebt er hier besonders. Und das schmeckt man auch! Das Essen besticht durch verschiedenste Farb- und Geschmacksnuancen: Eine knallrote süßlich-scharfe Randensuppe mit weißem Meerrettichschaum, ein leuchtend gelbes Safranrisotto mit grünen Zitruskräutern, fangfrische Bodenseefelchen auf knackigem Freilandsalat und vieles mehr – alles verziert mit aromatischen Kräutern und vielen bunten und essbaren Blüten. Ein Genuss für alle Sinne!
Bio – logisch!?
posted on 20.07.2011 - Im Gespräch mit Emanuel Lobek, Student an der Università degli Studi di Scienze Gastronomiche, Mitglied bei Slow Food Schweiz und ehemaliger Praktikant auf Schloss Wartegg. Jessica und ich trafen Emanuel auf der schönen Sonnenterasse von Schloss Wartegg bei Kaffee und Kuchen. Ich lernte Emanuel auf einem Eat-In des Youth Food Movements in Zürich kennen und wir kamen zufällig über das Schloss Wartegg ins Gespräch – so ergab sich unser heutiges Treffen. Emanuel ist aktives Mitglied von Slow Food und studiert an der Università degli Studi di Scienze Gastronomiche. Er ist ein guter Freund der Familie Mijnssen (Eigentümer von Schloss Wartegg). Er hat für einige Zeit auf Wartegg gearbeitet und bringt immer wieder neue Ideen für neue Produkte und Gestaltungsmöglichkeiten auf Wartegg ein. Begeistert erzählt er uns und der Hotelleiterin Imelda von einem fantastischen Wein, den er im Rahmen einer Weinverkostung im Piemont degustiert hat und empfiehlt diesen Wein doch für Wartegg auszuprobieren. Er beschreibt den Wein so leidenschaftlich, dass uns allen das Wasser im Mund zusammenläuft. Seit über 25 Jahren arbeitet das piemonteser Weingut nach biodynamischen Grundsätzen, ist jedoch nicht Bio-zertifiziert. Imelda wirft ein, dass ein Bio-Zertifikat für das Bio-Hotel aber nötig sei. Emanuel kritisiert daraufhin, dass eine Bio-Zertifizierung immer mit einem sehr hohen administrativen und finanziellen Aufwand verbunden ist und viele Produzenten daher außerstande sind ihre Produkte zertifizieren zu lassen. Ein großer Nachteil für viele Kleinbauern und Produzenten, so finden wir. Bio heißt auch nicht immer, dass ein Produkt wirklich nachhaltig ist. Eine strenge Kontrolle und klare Richtlinien der Produkte sind natürlich essentiell, aber Nachhaltigkeit umfasst die drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales. Slow Food fasst dies unter dem Slogan „gut, sauber, fair“ zusammen. Bio umfasst meist nur die ökologische Dimension und wie ein Produkt produziert worden ist, aber klammert die Aspekte faire Produktionsbedingungen für die Arbeiter oder lange Transportwege meist völlig aus. Wir sind alle davon überzeugt, dass Bio für die Natur und für uns Menschen besser ist, aber uns allen wäre mehr Achtsamkeit in Bezug auf die anderen beiden Nachhaltigkeitsdimensionen auch sehr wichtig. Ein Beispiel: Im bio-dynamischen Gemüse- und Kräutergarten von Schloss Wartegg wird eine Vielfalt an Beeren, Früchten, Gemüse, Salaten, Blüten und Kräutern angebaut – darunter auch viele seltene und alte Kulturpflanzen (wie ProSpecieRara Sorten) und Wildpflanzen. Auch die Tierwelt hat hier ihre Freude – im Garten zirpt und summt es nur so vor lauter Insekten. Die Küche integriert dieses reichhaltige Angebot an essbaren Pflanzen ganz wunderbar in die Speisekarte. Die Arbeiter werden alle gut behandelt und sehr gut entlohnt (notabene: wir sind in der Schweiz!). Die Transportwege der Produkte sind meist sehr kurz: Die Milchprodukte stammen vom Bauern im umliegenden Appenzeller Hügelland, die Fische stammen direkt vom Bodensee, das Obst und einige der Schnäpse vom Bauern am Rorschacherberg und viele Produkte stammen aus dem eigenen Garten – nur 100 Schritte von der Küche entfernt. Aber auf der Speisekarte finden sich auch Exoten (natürlich alles Bio) wie Shrimps und Scampi oder tropische Früchte. Da stellt sich uns Slow Food Anhängern schon mal die Frage: ist dies wirklich unbedingt nötig? Wir essen alle leidenschaftlich gerne, aber noch lieber essen wir die Produkte aus der Region mit gutem Gewissen, deren Geschichte wir kennen. Und das Schloss Wartegg hat viel(e) Geschichte(n).
Wie in Hogwarts
posted on 21.07.2011- Nach zwei Tagen voller neuer Eindrücke, sind unsere Köpfe voll und wir beschließen, uns einmal so richtig zu entspannen. Nach einem gemütlichen Spaziergang im Wald, trappeln wir in unseren feinen Frottebadeschlappen und unseren Bademänteln in den Wellnessbereich: ein wunderschönes „Türkisches Bad“ aus dem Jahre 1928, mit Sauna, Ruheraum und einer Außenterasse. Als wir das Bad betreten ist mein erster Gedanke „Wow!“. Das 5,5 Meter große Bade-Oval, das als „schönste Badewanne der Schweiz“ angepriesen wird, hat diese Bezeichnung wirklich verdient. Das Bad ist wunderschön gestaltet, die Fenster und die Außenterasse sind mit Weinreben umrankt und das leicht gedimmte Licht erzeugt eine tolle Atmosphäre. Johanna und ich sind uns sofort einig: Dieses Bad ist ideal für frische verliebte Paare.
Begeistert steigen wir in das 28 Grad warme Wasser und lassen uns im Sprudelbereich den Rücken massieren. Nach mehreren Saunagängen sind wir total entspannt. Als ich dann nach einem letzten entspannenden Sprudelbad und einem herrlichen Saunagang im Ruheraum einen Wasserspender in Form einer Kobra entdecke, sage ich leise: “Hier drinnen sieht es ein bisschen aus wie in Hogwarts*!“ und schlafe entspannt auf meiner gemütlichen Liege ein.