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20.-22. Oktober 2011
posted on 01.11.2011 - Freundlich wurde ich von Herrn Theiner empfangen.Natürlich, stattlich und großgewachsen steht er vor mir. Walter Theiner, Seniorchef von theiner’s garten. Ein echter Pionier im Bereich Bio. „Ich habe Jura studiert und wollte eine Kanzlei eröffnen“, erzählt Walter Theiner. Jedoch stieg er in den Obstanbau-Betrieb des Vaters ein, stellte ihn auf biologisch-dynamischen Obstanbau um und wurde „demeter“-Erzeuger. Familie Theiner war unter den ersten in Südtirol, die auf Bio-Obstbau umgestellt haben. „Damals war es schwierig und biologischer Intensivobstbau galt als unmöglich. Mittlerweile sind rund 7% der Obstanbaugebiete in Südtirol Bio-Obsterzeuger.“, berichtet mir Walter Theiner. Südtirol ist nicht nur „Apfel- und Weinland“, sondern auch „Tourismus-Land“. So kam bei Familie Theiner der Gedanke ein Hotel mit ausschließlich biologischer Küche und einem Gebäude, gebaut aus rein natürlichen Materialien, zu eröffnen. 2009 war es so weit. Das Biohotel theiner’s garten öffnete die Türen für seine Gäste. „Ein lang gehegter Wunsch ist für uns in Erfüllung gegangen. Unser Hotel ist von Grund auf biologisch gebaut, natürlich, authentisch und auf einem Grundstück, das seit 25 Jahren biologisch bebaut wurde, gebaut worden.“, so Familie Theiner. Die 4 Jahre Planung für den „Biopalast“ konnte ich sehen, als ich von Herrn Theiner durchs Hotel geführt worden bin. Alles ist gut durchdacht und die Feinheiten liegen im Detail. Walter Theiner nimmt sich Zeit für seine Gäste. Jedem neuen Gast zeigt er sein Klimahotel und berichtet ausführlich über die Geschichte der Hotels, Architektur, Energieerzeugung, Wandaufbauten und vieles mehr. Er weiß über alles genauestens Bescheid.
Ich erfuhr beispielsweise, dass die Wände aus Massivholzelementen des Unternehmens soligno aus Prad im Vinschgau bestehen. Dabei handelt es sich um Systemelemente bei denen komplett auf Zusätzen von Leimen und Eisenteilen verzichtet wird. „Im Garten der Träume“, so werden die Zimmern genannt, sorgen eine Wand aus Lehm, sowie das Holz der Zirbe, für ein angenehmes Raumklima. Das Zirbenholz mit seinen ätherischen Ölen erspart dem Herzen des Besuchers eine Stunde Arbeit pro Tag.
Walter Theiner hat sein Hotel nicht bauen lassen, er hat selbst gebaut. „Die Wahl des Architekten war so eine Sache. Zu der Zeit, als wir planen wollten, gab es nicht viel Architekturbüros, die sich im Hotelbereich und in der Baubiologie auskannten. Die Wahl fiel schlussendlich auf das brixner Architekturbüro namens Baukraft. Ich habe mich in die Baubiologie eingelesen und mit den Architekten, die sich im Hotelbau auskennen zusammengearbeitet. Es hatte oft geheißen, ich sei zu stur, aber für mich war es selbstverständlich, das Hotel nach strengen baubiologischen Richtlinien zu errichten und dabei mit Holz zu bauen.
Gebaut wurde nur auf Maß und mit ausgewählten Hölzern, um natürliche Reinheit, beste Tragfähigkeit und guten Schallschutz zu erzielen, denn ich möchte für meine Gäste nur das Beste!
1200 m³ Holz aus der Region, welches im Winter bei abnehmendem Mond geschlagen wurde, stecken im Hotel. Alles war jedoch in Holzbauweise auch nicht machbar, so sind alle größeren Aufenthaltsräume mit hohen Spannweiten und das Kellergeschoss aus massiver Betonbauweise.“, berichtet Walter Theiner mit voller Überzeugung.
Nicht umsonst wurde theiner’s garten auch „KlimaHotel“, eine Auszeichnung der KlimaHaus Agentur. Das erste in Italien! „KlimaHotel“, ein Gütesiegel für nachhaltigen Tourismus. Es steht für mehr Komfort für den Gast, für eine nachhaltige Bauweisemit optimierter Gebäudehülle, für eine umweltfreundliche Betriebsführung und garantiertNachhaltigkeit, Gesundheit und Wohlbefinden. Für theiner’s garten, kein Problem die Richtlinien zu erfüllen. Wenn ich mich auf der Homepage von theiner’s garten durchscrolle, wird mir viel versprochen und ich muss ehrlich sagen, Familie Theiner hält was sie verspricht. Es schläft sich gut im Zimmer, in dem ich mich fühle als wäre ich in einem Zirbenwald unweit der Almen. Fast wie in einer angenehm warmen Höhle, abgeschirmt von jeglichem Elektrosmog und von allen anderen 57 Zimmern, die sich drüber und drunter, rechts und links von einem befinden. Im Zimmer möchte man meinen, man sei alleine im 106-Betten-Haus. Zum Abschied bekommt jeder Gast einen Ausdruck auf recycelten Papier, auf dem geschrieben steht: „Danke, dass Sie uns in den vergangenen Tagen geholfen haben weniger Energie und weniger Wasser zu verbrauchen.“ Weiteres lässt mich der Zettel wissen, ich hätte in den vergangenen Tagen 42 kgCO2 eingespart.
Gut das ich mit dem Zug und Fahrrad angereist bin, sonst hätte ich wohl meine super CO2-Bilanz wieder auf null reduziert. Schön zu wissen, dass ein Urlaub mit allem Luxus eines 4 Sternehotels die Umwelt schont.
Walter Theiner fährt mit seinem alten Mercedes vor. Den will er erst aufgeben, wenn es auf dem Markt ein vernünftiges Elektroauto gibt. Zusammen fahren wir zum Bergerhof. So heißt der Biobauernhof. Auf der Obstplantage stehen Äpfel-, Pfirsich-, Nektarinen-, Zwetschgen- und Birnbäume. „Wir lassen das Gras rund um die Bäume bewusst hoch wachsen, um die Monokultur aufzulockern. Im kniehohen Gras sind mehrere blühende Pflanzen, welche eine größere Vielfalt an Tieren und Pflanzen hervorbringen als bei konventionellen Anlagen“, erfahre ich von Herr Theiner. Bei strahlendem Sonnenschein mit Blick auf die Meraner Bergwelt führt mich Walter Theiner durch die Bioanlage. Vor uns stehen- leicht angezuckert- der Cigot und daneben der Loderer, zwei tolle Berge für Bergsteiger. Auch ich habe mir die Zwei vorgenommen. Zurück zur Bio-Obstplantage. Auch hier können Gäste sportlich unterwegs sein. Im Garten der Natur gibt es nämlich einen Laufparcours. „Der Bergerhof-Parcours“ lädt die sportlichen Gäste vom theiner’s garten zu einem Spaziergang, aber auch auf einen Dauerlauf ein. Hier ist für jede Sportlerin und jeden Sportler was dabei. Auch mal eine gute Idee, Wettkampfvorbereitung auf einer biologischen Obstbauanlage. Vor allem in der Erntezeit. So würde der Hunger zwischendurch ohne größere Pausen und Umwege gestillt werden. Einmal links, einmal rechts greifen und so richtig reinbeißen. Vom knackigen Apfel, über einen reifen Pfirsich bis hin zur spätreifen Birne kann man alles finden. Zum Bergerhof gehört auch die hofeigene Schnapsbrennerei. „Damals war hier der Stall und seit vier Jahren haben wir ihn zur Hofbrennerei umgebaut. Zum Brennen verwenden wir kein Fallobst, sondern nur geerntete Früchte. So können wir eine höhere Qualität der Brände erzielen“, sagt Walter Theiner.
Die Qualität der fruchtigen Destillate wurde schon mehrmals bestätigt. So bekam der Apfel Braeburn die Goldmedaille, Pfirsich, Nektarine und Williams wurden mit Bronze ausgezeichnet. „Bei der „Best of Bio-Spirits“ im Jahr 2009 erreichte unser Williams Brand 19 von 20 Punkten. Er war der Beste unter den Kernobstbränden “, berichtete mir ein stolzer Walter Theiner. Bewirtschaftet wird der Bergerhof vom Juniorchef. Ingo Theiner, der Sohn von Walter Theiner ist Hofbesitzer und Demeter-Erzeuger. Am Abend ist Ingo Theiner nicht nur Biobauer, sondern auch, in Anzug gekleidet an der Rezeption zu finden. Kurz wechsle ich ein paar Worte mit Ingo Theiner und erfahre, dass er am kommenden Wochenende heiraten wird. Auf zum gedeckten Tisch und zu meinen Biorad-Kameraden. Das 5-Gänge Gourmet Vital Abendmenü verspricht viel und lässt mir schon beim Durchlesen das Wasser im Mund zusammenlaufen. „Kross gebratenes Wolfsbarschfilet mit Kräuteröl und Meersalz auf Zucchini-Blätter und blauen Kartoffeln“ steht heute als Hauptgericht auf dem Menü. Blaue Kartoffeln. Ich habe noch nie etwas von blauen Kartoffeln gehört, geschweige denn sie schon mal probiert.
Ein fabelhaftes Essen später kann ich sagen, sie schmeckten auch nicht viel anders als die bekannten gelben oder roten Sorten. Aber der farbige Effekt auf dem Teller ist genial.
Doch das Allerbeste stand uns Bioradlern noch bevor. Wie sagt man so schön: „Das Beste kommt zum Schluss.“ Es stimmt. Bernd, der neu gewonnene Radfreund schwärmte schon vor der Vorspeise über das Schokoladensoufflee, das er für alles andere stehen lassen würde. Er als Schokoladensoufflee-Feinschmecker wusste es zu schätzen und zu würdigen und ein Nachschlag musste einfach sein. Man muss das Gute genießen und es darf auch gern mal etwas mehr vom Guten sein.