Biodyssey im BIO-Hotel Stellshagen

    Informationen über RICHARD EBNER
    09.-11. August 2011


    Eine nicht ganz so ruhige Oase

    posted on 10.08.2011 - Nach Homepagestudie und Suchen auf der Landkarte stelle ich mir das Gutshaus Stellshagen so als Sanktuarium fürs Seelenheil vor. Schon die Zugfahrt dorthin entschleunigt, nach dem lauten chaotischen Hamburger Hauptbahnhof nach Lübeck und dann in den Regionalexpress durchs Mecklenburgische. Abgeholt wird man dann vom Bahnhof Grevesmühlen vom Hotelbus (mit dem ich dann erstmal nach Boltenhagen fahre um Hotelgäste die an der Ostsee waren abzuholen). Die Ankunft ist dann erstmal entspannt, die Rezeption gleicht so ein bisschen einer Mischung aus Wohnzimmer und Büro, ausgestattet mit Möbeln, die einen daran erinnern, dass das Hotel in einem alten Gutshaus liegt.

    Der freundliche Empfang und der anschließende Rundgang mit der Marketingbeauftragten des Hotels bestätigt den Eindruck erstmal, sehr viel Ruhe und ein Auge auf die Entspannung und Erholung der Gäste. Zu den selbstgemachten Kuchen, die meinen ersten Kaffee dort begleitet haben kommt bald noch mehr.

    Das Zimmer mit Lehmwänden und ohne Fernseher verstärkt den Eindruck  das man sich außerhalb von Zeit und Raum befindet, dazu passend wird einem eine Stereoanlage und CDs des hauseigenen Labels für Welt- und Meditationsmusik zur Ablenkung zur Verfügung gestellt. Das man aus jedem Fenster aufs Grüne oder auf die weite Mecklenburgische Landschaft schaut, erinnert auch nicht gerade an den Alltag.

    Überschrieben hab ich den Absatz jetzt mit “nicht ganz so ruhig”. Meine Ankunft war nämlich am Tag einer Weinprobe des slowenischen Winzers Ales Kristancic. Dieser präsentierte die Weine seines Gutes Movia auf dem benachbarten Gut Parin, das zum Gut Stellshagen gehört (mehr habt Ihr hier schon von Alejandro erfahren). Der Winzer platzte mit seiner südlandischen einnehmenden Art in die Ruhe der Gutshäuser hinein. Seine biologisch an- und ausgebauten Weine (natürlicher Weinausbau ist ein großes Diskussionsthema und ich entschuldige mich schon mal jetzt, dass ich das hier nicht besprechen kann) sind dem Hotel da schon wieder ähnlich, dass sie Zeit, Ruhe und Geduld brauchen und in Geschmack und Vielschichtigkeit mit dem Großteil der Weine auf dem Markt nichts zu tun haben.

    Damit das hier nicht zu einer Weinkritik ausartet, will ich nur kurz den spannendsten Teil des Abends erzählen. Traditionell werden flaschenvergärte Sekte durch Einfrieren des Hefepfropfens von der Hefe befreit und dann mit Restwein oder Liqueur Dosage aufgefüllt und per Korken verschlossen. Was gern verschwiegen wird, ist das in diesem Prozess auch noch einmal ein bisschen Schwefel zugesetzt wird um den Wein stabil zu halten. Hefe besitzt aber genug natürlichen Schwefel und hält andere Mikroorganismen in Schach, dass solange sie vorhanden ist, der Wein natürlich stabil bleibt. Kristancic verzichtet bei seinem Sekt einfach darauf, die Hefe zu entfernen, der Nachteil liegt dann darin, dass die Flaschen kopfüber gelagert und geöffnet werden müssen. Dafür hat er einen Schlüssel entwickelt, den man mit der Flasche bekommt um sie dann im Wasserbad zu öffnen. Um den Verlust auszugleichen verkauft er statt 0,75l eben 0,8l pro Flasche.

    Ganz kurz weil es dazu gehört, noch eine Besprechung wie das dann schmeckt. Da logischerweise auf eine Dosage verzichtet wird fallen die Sekte in den extrem trockenen Bereich, das wird aber durch den vollmundigen Hefegeschmack, der mit Jahrgangschampagnern mithalten kann ausgeglichen. Durch den Anteil von Ribolla Gialla (ich versuche jetzt nicht den slowenischen Namen zu benutzen) ist die Farbe tiefgelb und unerwartet hat auch der weiße Sekt zu seiner Säure und Hefe eine angenehme Tanninstruktur, die das ganze nochmal abrundet.

    Bei der Nachfrage wie oft sie solche Zusatzveranstaltungen anbieten, kommt die Antwort: “Wenn es sich anbietet.” aber scheinbar in der Hochsaison öfter. Ein gelungener Ausbruch aus der gewollten Ruhe der Gutshäuser, der mir aber am ersten Abend das erfahren dieser ja gewollten Ruhe verwehrte. Aber zu Wellness und ähnlichem kommt bald noch mehr.

    Jetzt schalt doch endlich mal ab!

    posted on 11.08.2011 - Gut Stellshagen ist natürlich nicht nur eine bloße Ruheoase, neben dem an sich schon beeindruckenden Park und der Mecklenburger Landschaft, fehlen auch Sauna ein toller Schwimmteich (wobei das Wetter leider nicht zum Schwimmen einlud). Natürlich gibt es auch ein Tagungszentrum mit Veranstaltungsräumen. Während es mit dem “Tao Gesundheitszentrum” ein ganz neues Gebäude, das Ruheraum, Meditationsraum und eine Anzahl von verschiedenen Behandlungen und Angeboten bietet, die ich hier gar nicht alle aufzählen kann, wer sich dafür interessiert kann sich hier weiter informieren. Was auf jeden Fall erwähnenswert ist, ist das in den verschiedenen Einrichtungen Cafes gibt, die durch  verschiedene Angebote an Tees, Fruchtcocktails mit den Einrichtungen harmonieren.

    TAO - Der Weg

    Tagunszentrum aber auch Meditation und Yoga

    In nicht ganz zwei Tagen, ist das natürlich alles nicht mitzuerleben, da braucht es schon ein bisschen länger. Was mir persönlich ganz recht war, da meine Erfahrungen mit Wellness sich in Grenzen halten und ich dem Thema zwar nicht kritisch aber doch manchmal mit der Haltung “Wer’s braucht.” gegenüber stehe. Aus kam ich natürlich nicht, man hatte mir eine Abhyangha (eine ayurvedische Ganzkörpermassage) vorreserviert. Ayurveda war für mich bisher fast nur reine Theorie (mit der Ernährungslehre hatte uns unsere indische Ernährungsphysiologin im Studium malträtiert) und meine Erfahrung beschränkte sich auf einen Kurzkochkurs, aus dem ich eher abgeschreckt ob der massenhaften Verwendung von Flugware und des rein egoistischen Ernährungsbegriffs hinausging. Die Lehre an sich fand ich spannend, insbesondere wenn man die Parallelen zu anderen Ernährungstheorien wie in der chinesischen Medizin oder bei Hildegard von Bingen schlägt. Wie schon gesagt, meine Ayurvedaerfahrung war nun mal auf Theorie beschränkt und mit ayurvedischen Behandlungen kannte ich noch nicht mal die Theorie.

    Erster Eindruck in den Kellerräumen, die für die Behandlungen im Haupthaus dienten, war die absolute Ruhe im Vergleich zu den vor dem schlechten Wetter während der Hauptsaison flüchtenden Hotelgästen gefüllten Lobby und Speisesälen. Die Meditationsmusik im Hintergrund fiel einem erst einmal gar nicht auf. Der Empfang durch die Therapeutin war ruhig, so ganz das Gegenteil von meiner inneren Einstellung, ich hatte zugegebenermaßen etwas Angst. Also erst einmal wurde alles abgelegt (auch die Kamera, hat in einem Ruhebereich nichts zu suchen, deswegen muß man an dieser Stelle leider auf Fotos von mir in eingeöltem Zustand verzichten) und umgekleidet. In Bademantel und Einmalslip ging es dann in den Behandlungsraum. Die Angst war mir zu diesem Zeitpunkt schon ein bisschen genommen (fast nackt ist man ja schon so ausgeliefert, dass ängstlich sein jetzt auch keinen Sinn macht) und die Erklärung was passieren wird, nahm mir zumindest mal einen Teil meiner Nervosität. Als Mischung aus hektischem Großstädter und gleichzeitigem Bauernhofhelfer, der nun schon manchmal zu sich selbst sagt :”Was ein Schmarrn!”, wenn es um Wellness, Fitness und ähnliches geht, der aus einem dauerhaft schlechtem Gewissen besteht, weil ja immer noch so viel zu tun ist und schlafen und der Tatort doch eigentlich schon Luxus genug sein müssten, war, dass ich jetzt neunzig Minuten entspannen muß, eine ennervierende Vorstellung. Die Massage mit den warmen Ölen war auf jeden Fall körperlich eine Wohltat (funktioniert hat sie auch, weil sich ein eingeklemmter Nerv den ich schon immer habe, mindestens zehn Tage nicht meldete), die Stirngüsse und streichenden Bewegungen, das Öl und die Wärme des Raumes waren tolle sinnliche Erfahrungen, jedoch kam mir da auch wieder mein Hirn dazwischen. Insbesondere als es bevor es losgehen sollte hieß: “Jetzt lass ich sie mal 5 Minuten zur Ruhe kommen.”, gut gemeint, gehört sicher zu einer guten Behandlung, hat bei mir jedoch leider bewirkt, dass ich mich überanstrengt habe Ruhig zu bleiben und noch nervöser wurde. Nun gut, die nochmaligen 5 Minuten am Ende der Behandlung habe ich schon deutlich besser überstanden, scheinbar braucht man zum Entspannt werden auch viel Übung, die ich nun mal nicht habe, die Erfahrung nun aber nicht mehr missen möchte und dem Thema ayurvedische Behandlungen werd ich jetzt auf jeden Fall neugieriger gegenüberstehen.

    Was ich noch gar nicht erwähnt habe, war der tolle Ruheraum, der in Braun und Rottönen gehalten war und in dem man sich auf geheizten Fliesenbänken nach der Behandlung ausruhen konnte. Bei mir ging es aber weiter, weil ich den nächsten Termin in meinem Stellshagen Programm hatte. Bei den Stufen der Kellertreppe, merkte ich aber, dass man sich nach so einer Erfahrung doch anders bewegt, der Körper dem Hirn signalisiert, endlich mal Ruhe zu geben. Leider hab ich es schon viel zu schnell wieder geschafft meinen Körper wieder auf Touren zu bringen.