Informationen über VERONIKA SCHMÖLZ
14.-16. Oktober 2011
posted on 16.10.2011 - Ich sag euch eins, ich bin heil froh unserem Büro entfliehen zu können: Wir klappern dort in Rollkragenpullis mit den Zähnen. Ich mach´s jetzt offiziell: Ich mag PASSIVHÄUSER nicht! Es ist nun mal ein Zeichen von Lebensqualität wenn man über die Raumtemperatur selber bestimmen kann. Schon in der Steinzeit hat das funktioniert: Holz rein, mehr Wärme – kein Holz rein, weniger Wärme. So einfach geht das. Nur heute lassen wir uns von Maschinen sagen wie warm oder kalt es sein soll. Die machen aber lieber irgend was. So steht der Wärmeschalter auf 28 Grad und haben tuts gefühlte 8. Ich hab das Thema schon mit einer Architektin diskutiert und die ist meiner Meinung. Niedrigenergie ja – passiv nein: der technische Aufwand ist zu groß und macht alles komplizierter als es sein soll und ergo wieder teurer. Die Hausverwaltung speist einen ab mit guten Ratschlägen, dass man sich wärmer anziehen soll und die Techniker kennen sich auch irgendwie nicht richtig aus. Ok, denkt ihr jetzt – sie mag keine Passivhäuser aber was hat das mit dem Biohotel Sommerau zu tun? Was ich euch veranschaulichen will ist das wohlige Gefühl als ich unseren eiskalten, grauen Büroturm an einer Autobahnausfahrt verlasse um zu dem kuscheligen Landhotel in Salzburg Land – genauer gesagt St. Koloman, Ortsteil Sommerau zu fahren. Ich beziehe mein Zimmer und fühle mich sofort wie bei Oma daheim. Die Zimmermappe hat einen selbstgemachten Überzug aus rosa Leinen mit einem geblümten Stoffquadrat aufgenäht. Im Kleiderschrank und auf jedem Nächtkästchen liegen Säckchen umrandet mit selbstgehäkelten Spitzen und mit einer rosa Satinschleife zusammengehalten. Darin befinden sich selbstgetrocknete Kräuter. Ein Apfel liegt in eine bunte Serviette eingepackt am Bett. Das Zimmer riecht herrlich nach Minze und ein bisschen Kamille. Duftlampe und eine Salzkristalllampe stehen auch da. Ich bin ganz sprachlos vor Rührung über so viel Großmütterlichkeit. Die Oma war beim Umbau vor einem Jahr wohl auch auch die Innenarchitektin – alle Wände sind rosa, apricot, lachsfarben, veilchenlila, hellbau und pastellgrün gestrichen. In Kombination mit der alten Stubeneinrichtung eine gewagte Kombination aus dunkelgrünen Ofenkacheln und hellrosa Wänden. Aber ich genießen den bunten Mix aus Zimmerpflanzen, Engelchen, Enten, Kristallbrunnen, Holzeulen, Marienstatuen, Keramikkugeln, Landschaftsbildern, Puppengeschirr, Kräutertiegeln, durchsichtigen Polyestertüchern und noch viel mehr. Ich bewundere immer wie man so eine Inneneinrichtung sauber hält – aber das ist sie: blitz blank. Ihr seht – ich fühle mich gleich heimelig. Weniger behagt mir, dass ich zum ersten mal alleine in einem Hotel bin. Da sitze ich mutterseelenalleine in der Wirtsstube und warte leicht zappelig auf meine Suppe. Keine Vertreterabgebrühtheit was das betrifft. Ich ärgere mich, dass ich nichts zum lesen mit habe und gleichzeitig, dass ich nicht in der Lage bin ein bisschen Zeit mit mir selbst verbringen zu können. Ich inspiziere das Papiervögelchen in der verblühten Orchideenschale aber der Geist ist unterbeschäftigt. Noch schlimmer scheinen die Gäste im Nebenraum unheimlichen Spaß gemeinsam zu haben. Dann die Erlösung, die Suppe wird serviert. Selleriecreme mit Sahnehäubchen. Sie riecht ein bisschen stark gewürzt aber dann bin ich wirklich überrascht. Sie ist genau richtig gewürzt und hat einen schönen Abgang mit Kurkuma Geschmack. Die Wirtin klärt mich später auf, dass es Curry war aber da ist ja Kurkuma drin. Als Hauptgang gibt´s Forelle mit Petersilkartoffeln. Die Präsentation ist zwar recht einfach – Fisch mit Scheibe Limtette, 3 Kartoffelhälften und 2 Karrottenscheiben. Aber ich mags eh lieber einfach und ohne Schnick-Schnack – dann schmeckt man die Qualität der Zutaten besser – und die ist wirklich hervorragend. Das Dessert ist dann noch eine Schoko-Kokos Creme, die wirklich phantastisch schmeckt. Mein Nervenkostüm beruhigt sich wieder und ich gehe satt und zufrieden um 20.00 (!!) Uhr schlafen! Graue Bürottürme und sind in weite Ferne gerückt….
PS: im Hotel heizen sie übrigens mit Holzpellets….
Ich bin natürlich begeistert schmeiße mich in den Bademantel und werde von Christine empfangen. Der Wellness- und Gesundheitsbereich wurde Ende der 90er Jahre hinzugebaut. Die Rückenmassage mit Stutenmilchcreme tut richtig gut. Langsam kenne ich den Unterschied ob jemand ein Programm runterspult oder individuell auf die Verspannungen eingeht. Dannach geht’s noch in die Schwebewanne – in warme, feuchte Tücher eingepackt, wieder eingeschmiert mit einer Stutenmilchpackung. Es ist wirklich ein angenehmes Gefühl wenn der Körper nirgends aufliegt. Nach dem Frühstück geht´s weiter mit Brotbacken. Die jugoslawische Küchenhilfe ist schon 17 Jahre im Betrieb und scheint alles bestens unter Kontrolle zu haben. Eigentlich forme ich nur Rollen und stopfe Sie in Brotkästen. Im Hotel Sommerau hat man die Kastenform gewählt weil dann nicht so breite „Scherzerl“ anfallen, die niemand mag. Toll ist es schon am Abend „mein“ Brot zu essen. Auch die Brötchen werden im Sommerau alle selber gebacken. Der Vormittag ist also schon ziemlich schnell vergangen. Auch am Nachmittag wird’s spannend: Mittagessen, Leberwickel, Wanderung mit Sohn Matthias, Schafbauer besuchen, Yogastunde, Abendessen, Sauna nach Wunsch bis 22.00 Uhr. Na wunderbar, die Bücher hätte ich daheim lassen können. Um die Zeit ein bisschen zur überbrücken helfe ich noch die Tische abzuräumen, weil die Tochter gerade auf der Salzburger Gesundheitsmesse ist. Ihr könnt euch nicht vorstellen was es für eine Schlepperei ist 7 Frühstückstische abzuräumen, mit den ganzen halbvollen Kaffekännchen, Marmeladeschüsselchen, O-Saft Gläsern, Tellern, Tassen, Untertassen, in Aufstrich klebenden Servietten, zerbrochenen Eierschalen und ständig runterfallenden Messern. Und das war lächerlich wenig!
Zu Mittag Salat und Suppe. Das ist ein richtig super Angebot vom Hotel, aber die Auswahl an Restaurants in der Gegend auch praktisch nicht vorhanden – vor allem mit Gästen ohne Auto. Ich plaudere ein bisschen mit der Wirtin. Der Gasthof mit Gästepension wurde 1977 gebaut und schon seit 1983 wird Wert auf gesunde Lebensmittel aus der Region gelegt. 2001 waren sie bei den ersten 6 Biohotels dabei. Das Gründungsfoto der ersten teilnehmenden Betriebe vor ihrem Haus geknipst. Seitdem hat sich vieles getan, es muss nicht mehr 60km gefahren werden um Bio-Fleisch zu bekommen sondern man kriegt inzwischen alles geliefert. Jetzt seien schon zu viele Mitglieder – es ist nicht mehr so ein Familienfest wie früher wo sie sich getroffen haben meint die überzeugte Bio-Wirtin ein bisschen wehmütig.
Es ist ein traumhafter Herbsttag für eine Wanderung. Wir stapfen teilweise durch Schnee und kommen doch ziemlich ins Schwitzen. Die Aussicht auf den Dachstein ist herrlich. Am Abend noch eine Yogastunde und nach dem Abendessen (mit Getreide gefüllter Zucchini auf Gemüse und eine Art süßer Krapfen als Nachspeise) sind die grauen Bürotürme noch weiter weg…