Biodyssey im BIO-Hotel Seethaler

    Informationen über DANIEL ALVERMANN
    13.-15. Oktober 2011

     

     

    Herbstzeit is…

    posted on 14.10.2011 - Die Fahrt zu meinem letzten Biohotel führt mich mit dem Zug durch eine malerische Herbstlandschaft auf der Westbahn von Wien nach Tirol.Genauer gesagt, nach Thiersee, einem malerischen Tiroler Dorf welches an einem, im Sommer, sehr badetauglichen See liegt. Und das nur eine Stunde von der Großstadt München entfernt. Am Bahnhof Kufstein, gleich nach der Grenze zur Deutschland, holt mich Franz, der Chef des Hauses Seethaler, ab. Übrigens ein Service, dass alle mit der Bahn anreisenden Gäste des Biohotels am Thiersee zur Verfügung steht. Noch hängen die Wolken tief über dem See und den dazugehörenden Bergen, aber morgen, bei vorher gesagtem Sonnenschein und Prachtwetter, werde ich auf einen davon stiegen und dann mit einem GoKart herunter fahren. Um dafür fit zu sein, springe ich heute früh ins Bett- im wunderbar nach Holz duftenden Zimmer. Aber davor gibt es noch ein Rehragout, ironischerweise ist dieses als „nicht-biologisch“ gekennzeichnet, obwohl das Wild in den Wäldern Rund um den Thiersee geschossen wurde. Biologisch-zetifiziert könnte es übrigens nur dann sein, wenn die Tiere gezüchtet wären und nicht aus der freien Wildbahn stammen würden. Mir hat das “wilde Wild” auf jeden Fall geschmeckt! :) Fachgerecht zerlegt wurde das Reh übrigens von Chef selber. Dieser hatte ursprünglich Fleischhauer gelernt und kümmert sich jetzt darum, dass vom Fleisch der Tiere nicht nur die sogenannten Edelteile benutzt werden. Aus den flachsigen Stücken wird mit Hilfe der hiesigen Fleischerei eine eigene Wildwurst hergestellt. Doppelter Gewinn: nichts wird verschwendet und die Gäste kommen in den Genuss einer einmaligen Spezialität!


    Frühschoppen,Gämsen und Geschwindigkeit

    postet on 15.10.2011 - Gleich nach dem Frühstück geht es rauf auf den Pendling.  Doch nicht zu Fuß sondern mit dem Wirten der Hütte am  Hausberg Thiersees, in seinem Kleinbus. Gerade hat er seine Kinder vom Berg hinunter in den Kindergarten gefahren, jetzt düst er mit uns die vom Regen ausgespülte Forststrasse wieder nach oben. “Brauchst die net anschnollen, wenn ma owifliagn, is des ah schu wurscht”, meint er zu mir. Ok..

    .Vielleicht ist das jetzt übertrieben: aber meiner Meinung nach muss es sich ungefähr so anfühlen, wenn man mit einem einheimischen Taxifahrer den Hindukusch hinauf fährt. Doch natürlich ist alles sicher und der Fahrer kennt den Weg und seine Tücken. So gelangen Franz, der Hotelchef, und ich auf die Alm mit einer der wohl besten Aussichten Tirols. Unter uns liegt auf der einen Seite der Thiersee, auf der anderen das untere Inntal mit der Kaisergruppe. Wolkenfetzen hängen noch in den Bergen, jedoch arbeiten sich schon mächtige Sonnenstrahlen durch die himmlischen Wattebäusche und tragen so zu der magischen Stimmung dieses Panoramas bei.

     

    Franz und ich begeben uns erst mal in die warme Stube. Bei einem feinen Frühschoppen-Bier werden mit dem Seniorchef der Hütte die neuesten Nachrichten ausgetauscht. Das heißt, ich sitze meist nur recht verständnislos daneben und lausche dem urigen Dialekt der beiden Tiroler. Langsam zeigt sich die Sonne in ihrer ganzen Pracht  und  so brechen wir in Richtung der Kala-Alm auf.

    Am Weg treffen wir des öfteren auf die Spuren von Gämsen: Gämseneier, der Name unter welchen ich die kleinen Bemerln der Gämsen als Kind kennen lernte, liegen auf dem Weg. Und kurz darauf, bei der Rast unter einem Gipfelkreuz, ist es dann  soweit: Eine Gämse keine 15 Meter entfernt von uns. Da der Wind aus ihrer Richtung kommt, kann sie uns nicht wahr nehmen und so kommen wir relativ nah heran an das Tier. Schließlich nimmt sie doch Witterung auf  und verschwindet im Wald. Für mich als Stadtkind ist so ein “Natur-Nah-Erlebnis” schon was besonderes. Mit Action geht es auch auf der Kala-Alm weiter. Franz und ich leihen uns dort sogenannte Mountain-Carts aus und düsen damit die holprige Bergstraße, die es vorher hinauf ging, runter. Welch großartige Art von  einem Berg wieder abwärts zu gelangen! Vom Fahrvergnügen ist es ungefähr mit dem einer Winterrodelpartie zu vergleichen.

     

    "Bio is nix Neies!" -  Besuch in der Biofleischerei

    posted on 15.10.2011 - Nach dem Vormittag in der Natur, ziehen wir weiter zu der Bio-Fleischerei Juffinger, ebenfalls in Thiersee beheimatet. Von ihr bekommt das Landhaus sein gesamtes Fleisch- und Wurstsortiment (bis auf Wild, siehe Eintrag gestern). Ich bin ziemlich aufgeregt. Es ist das erste Mal, dass ich hinter die Kulissen der Fleischproduktion schauen darf.

    Und ich habe habe dazu ca. eintausend Fragen. Vor allem das Thema Zusatzstoffe interessiert mich brennend. Warum wird, zum Beispiel, auch Bioschinken Nitrat zugefügt und warum ist es so schwer, Wurst so zu produzieren wie vor hundert Jahren? Unser Gespräch und die Führung hat dann auch gute drei Stunden gedauert, hier also mehr als nur ein paar Auszüge über meinen persönlichen Erkenntnisgewinn mitzuteilen, würde den Rahmen dieses Blockes sprengen. Kurz zur Geschichte des Betriebes: Herr Juffinger, selbst auf einem Biohof aufgewachsen, übernahm in den 90er Jahren einen Metzgereibetrieb in Kufstein, erkannte allerdings schnell, dass ihm der Betrieb unter den gegeben Umständen so nicht weiter führen würde. Das handwerkliche Wissen hatte in der Fleischerbranche, wie in vielen anderen natürlich auch, sehr abgenommen in den letzten 50 Jahren. Während Herrn Juffingers Lehrzeit wurde etwa nie etwas über Zutaten der Würzung oder Ähnlichem gelehrt. Das war auch nicht notwendig, denn für Frankfurter nahm man einfach die Fertiggewürzmischung aus dem Großhandel und basta. Damit wollte der junge Fleischer sich nicht zu Frieden geben und fing nun an, sich Wissen über alte Rezepte und Herstellungsarten anzueignen. Herr Juffinger dazu: „Bio ist ja nix neues, wir hatten´s nur vergessen, wie man sowas macht.“ Mittlerweile weiß er es. So entstand ein moderner Schlacht- und Metzgerbetrieb in dem so makellose Sauberkeit herrscht wie sonst nur in Operationssälen. Sogar die Luft wird von Staubpartikeln und Erregern gereinigt. Durch diese Qualitätsstandarts ist die Firma Juffinger auch in der Lage, ihre Produkte auch über die Landesgrenzen zu exportieren. Vor allem der Süddeutsche Raum stellt hier einen großen Absatzmarkt in Sachen Bio-Qualitätsfleisch. Man setzt bei Juffinger auch auf bewusst langsames Wachstum, denn es hätte keinen Sinn schnell groß zu werden und dann dafür alles Fleisch aus weit entfernten Regionen kommen lassen zu müssen. So stammen die verarbeiteten Tiere alle aus einem 100 bis 150 Kilometerradius. Doch vor allem bei der Bio-Schweinezucht sieht Herr Juffinger in Tirol noch großes Wachstumspotential. Aber: gutes Wachstum benötigt halt seine Zeit.

    Buddha kam bis nach Thiersee

    posted on 17.10.2011 - Frischwasserwhirlpool und Sauna: so lässt sich ein gelungener Tag würdig ausklingen! Im asiatisch inspirierten Sauna- und Entspannungsbereich lasse ich es mir vor dem Abendessen gut gehen. Im Gegensatz zu anderen Wellnessbereichen im alpinen Bereich, die oft zu gewollt das (Mode-)Thema Asien integrieren wollen, ist es Frau Seethaler mehr als gelungen, fernöstliche Anklänge weit entfernt vom Kitsch in dieses Tiroler Landhaus zu bringen. Sie ist auch für die vegetarische Gerichte im Haus zuständig. Und man schmeckt ihre Erfahrung, schließlich ist Frau Seethaler seit 20 Jahren selber Vegetarierin. Aber auch ihr Sohn, der sich in der Küche um die “fleischlichen Genüsse” kümmert, macht seine Arbeit ausgezeichnet. Das seine Rohmaterial aus den denkbar besten Quellen kommt, habe ich ja schon oft genug erwähnt. Alles in allem war das ein wahnsinnig netter und spannender Aufenthalt am Thiersee. Danke Franz!