Biodyssey im BIO-Hotel Schweitzer

    Informationen über JOHANNA MIHEVC
    25.-28. Juni 2011


    Nachhaltig reisen heißt auch nachhaltig packen!

    posted on 24.06.2011 - Manchmal muss man einfach spontan sein wenns ums Reisen geht… Anne wurde leider krank und so springe ich jetzt für sie ein. Eigentlich wollte ich dann mit einer Freundin und ihren beiden Hunden anreisen, doch sie musste absagen nachdem ihr zwölf Wochen alter Hund von einer Wespe im Hals gestochen wurde und jetzt in der Tierklinik ist (zum Glück ist nochmal alles gut ausgegangen). Also habe ich beschlossen mit meinem Rad nach Mieming zu fahren. Nun heißt es nachhaltig zu packen – jedes unnötige Gepäcksstück wird daheim gelassen! Zum Leben im Bio-Hotel braucht man schließlich nur das Nötigste: Zahnbürste, Sportsachen, Bikini, Pyjama, Unterwäsche, Jeans & was zum Lesen (in meinem Fall etwas zum Lernen für die Uni – mehr Pflicht als Kür). Für den Rest ist gesorgt. Ich freue mich schon auf schöne Tage im Bio-Hotel Schweitzer, das übrigens von der Großcousine des Friedensnobelpreisträgers Albert Schweitzer geführt wird!

    Zu Gast bei Albert Schweitzers Verwandten

    posted on 10.07.2011 - Früher war die Strecke Innsbruck-Mieming und zurück meine Trainingsstrecke, als ich vor zwei Jahren auf den Ironman trainiert habe. Aber angesichts meiner nicht mehr so guten Kondition und meines großen Rucksacks am Buckel (nachhaltig Packen ist doch nicht so mein Ding…), entschließe ich mit dem Zug von Innsbruck nach Telfs zu fahren. Telfs selbst ist keine wirklich schöne Stadt. Mein erster olfaktorischer Eindruck als ich am Telfer Bahnhof ankomme: ein süßlicher Duft nach Vergorenem von einer Müllsammelanlage. Schnell weg hier! Entlang der relativ stark befahrenen Straße, finde ich achtlos aus dem Auto geworfene Verpackungen von einer bekannten Fast Food Kette. Ich rümpfe verärgert meine Nase und freue mich auf ein schönes Abendessen mit Bio-Produkten!

    Mieming liegt auf einem Hochplateau umgeben von einer spektakulären Bergkulisse. Es gibt schöne Blumenwiesen, einige Korn- und Kartoffeläcker und Lärchenweiden, wo vereinzelt Rinder und Pferde weiden. Zwischen dem zum Trocknen aufgebarten Heu spielen Kinder barfuß Fußball und Verstecken. Ich bleibe stehen und schaue ihrem Treiben ein Weilchen zu. Hier oben ist wirklich noch eine heile Welt! Bevor die Dämmerung hereinbricht, komme ich im Bio-Hotel Schweitzer an. Zeitgleich mit dem feschen Bauern, der gerade eine Lieferung frischer Eier bringt! Die Eier stammen aus Leutasch und auf seinem Tiroler Hut steht in großen Lettern: “Es ist verdammt hart Bauer zu sein!” Nicola aus Italien wird ihn auf seiner Reise in die Leutasch besuchen und mehr darüber herausfinden!

    Birgit, die Rezeptionistin und gute Fee des Hauses begrüßt mich herzlich – das Gala Diner ist schon fertig! Die Gäste grüßen und lächeln mich freundlich an. Etwas ist hier anders! Die Tischnachbarn reden alle angeregt miteinander man hört Hochdeutsch und Schweizerdeutsch und Allgäuisch. Auch der Mix zwischen alt und jung ist erstaunlich – die jüngsten Gäste sind ein paar Monate alt, die ältesten weit über 80. Ein älterer Herr aus dem Allgäu spricht mich interessiert an der Bio-Säftebar an: “Sie sind die Bio-Hotel Botschafterin, richtig!?” später geselle ich mich an den Tisch seiner Familie und ihren Tischnachbarn und wir führen ein angenehmes Gespräch über Bio, Vegetarismus und Slow Food.

    Das Essen ist köstlich und ich bin beeindruckt von der hohen Qualität und den vielfältigen Farben und Geschmäckern (Karte siehe Foto!). Zwischen den Gängen werde ich von Frau Schweitzer, der Hotel- und Küchenchefin in die Küche eingeladen. Sie kocht gerade frische Erdbeermarelade ein und ich darf kosten! Frau Schweitzer, Ende 70, führt die Küche und das Haus selbständig. Später erfahre ich, dass sie das Erbe ihrer verstorbenen Tochter fortführt. Das Bio-Hotel Schweitzer war das erste zertifizierte Bio-Hotel in Europa. Hier hat also hat alles begonnen! Ich bin gespannt auf die kommenden Tage!

    Es atmet mich...

    posted on 10.07.2011 - In meinem sehr hübschem Zirbenzimmer habe ich fantastisch geschlafen! Die Zirbe soll den Herzschlag senken und so die nächtliche Erholung des Körpers fördern, so eine Studie von Johanneum Research in Graz.

    Um 8 Uhr steht Atemtraining am Programm – meine Tischnachbarn haben es mir empfohlen. Ich bin offen für alles und lass mich überraschen. Die Atemtrainierin ist eine sehr sinnliche Frau mit knallrotem lockigem Haar. Wir starten mit lockeren Körperbewegungen im Raum. Wir, das sind ein 80- jähriges Ehepaar und ihre Tochter, ein Ende vierzig jähriger Mann und ich. Ich erfahre, wir wichtig die Atmung ist: “es ist die direkte Verbindung unserer Innenwelt mit der Außenwelt”, erzählt uns unsere Lehrerin, “einatmen und ausatmen!” Wir sollen lustige Geräusche von uns geben während wir ausatmen. Jeder atmet und bewegt sich in seinem Tempo ohne Hemmung. In dieser herzlichen und offenen Atmosphäre verlieren alle nach nur kurzer Zeit ihre Hemmungen. Dann steht Partnermassage am Programm und mein 80-jähriger Sitznachbar lächelt mich an und ich lächle zurück. Etwas ungewohnt ist es schon sich von einem fremden Menschen berühren zu lassen –  v.a. so intergenerational. Die Ehefrau meines Massagepartners beobachtet mich von der gegenüberliegenden Seite. Ich muss lachen und alle lachen ungezwungen mit. Die ganze Situation  ist etwas ungewohnt, aber eine neue und doch sehr positive Erfahrung – wenn man etwas Offenheit mitbringt! Es ist ein sehr respektvoller und herzlicher  Umgang miteinander und das steckt an!


    Beim rebellischen Ziegenpeter und seinen Zicken

    posted on 11.07.2011 - Dass es nicht leicht ist ein Bauer zu sein, ist bekannt. Aber wie sagt man so schön: Not macht erfinderisch! Ich bin zu Gast beim Ziegenpeter und seinen Ziegen in Ehrwald. Peter Senftlechner nennt sich selber ein “looking forward farmer” – ein Bauer der nach vorne sieht und mit viel Freude an die Arbeit geht. Er experimentiert gerne und kam irgendwann auf die Idee Eis aus Ziegenmilch herzustellen. Das Eis und verschiedene Produkte der Region gemischt mit Bio und Fair Trade Produkten verkauft seine Frau Barbara im Dorfladen in Ehrwald. Das Eis verkauft Peter  auf verschiedenen Märkten und beliefert Häuser wie das Bio-Hotel Schweitzer. Ziegenmilch ist leichter bekömmlich als Kuhmilch und eignet sich besonders gut für Kinder und Allergiker. In seiner kleinen Sennerei stellt der Präsident des Ziegenzuchtvereins Ausserfern Topfen, Blauschimmelkäse und verschiedene andere Produkte aus Ziegenmilch her. Die ganze Familie lebt von den Ziegen. Einer der beiden Söhne studiert Managment in Innsbruck und bringt im Familienbetrieb sein Know-How ein macht die Werbung für die Produkte. Es wird sehr effizient und effektiv gearbeitet: gibt es einen Überschuss an Milch, wird dieser von der Sennerei Zillertal abgenommen. Ein weiterer Teil der Ziegenmilch nimmt die Bio-Kosmetik Firma Sanoll ab. Im Rahmen des Projektes Schule am Bauernhof besuchen Schulkinder den Ziegenpeter und lernen bei ihm woher die Ziegenmilch kommt und finden Freude an den Produkten. “Die Kinder von heute sind die Konsumenten von morgen!”, so Peter Senftlechner. Er ist sehr vorausschauend in seinem Denken und er zeigt sich kämpferisch, wenn es um Themen wie Regionalität und Nachhaltigkeit geht. Aber wenn es um Qualität und um Bio geht muss man kompromisslos sein. “Wenns am Charakter hapert, dann kommen die Ziegen in die Wurscht, damit in der Herde keine schlechten Strukturen geschaffen werden.” Geschlachtet werden die Tiere bei einem Metzger im Ort möglichst stressfrei. Der Ziegenpeter gibt einen Laut ab und alle 70 Ziegen antworten ihm mit einem Blöken. Die Ziegen sind sehr schöne und intelligente Tiere und v.a. sehr zutraulich. Als ich den den Stall hineingehe, werde ich regelrecht umzingelt von den Ziegen – alle möchten gestreichelt werden und möchten an mir schnuppern und an mir knabbern… Am Ende bin ich so dreckig, dass ich vom Ziegenpeter und seinem Sohn zum Stall herausgetragen werde, damit ich ja keinen Dreck auf dem Flur der Sennerei mache. 

    Peter Senftlechner bittet mich auf meine Heimreis Ziegenmilchprodukte fürs Abendessen zurück zum Bio-Hotel zu nehmen. Die Logistik und der Transport der frischen Produkte vom Produzenten zum Konsumenten ist ein großes Problem. Hotelgäste zu engagieren, um zumindest einen Teil des Transportproblems zu lösen erscheint mir sehr sinnvoll und ist für alle Beteiligten eine Win-Win Situation.

    P.S: Insgesamt hab ich an diesem Tag acht Kugeln Ziegeneis gegessen – so köstlich cremig schmeckt es!

    P.P.S: Das nächste Ziegenkitz wird Biodyssey genannt!

    Es sind die kleinen, einfachen Dinge…

    posted on 11.07.2011 - “Es sind die kleinen, einfachen Dinge”, erzählt mir meine Tischnachbarin, eine ca. Ende vierzig jährige Volksschullehrerin aus dem Allgäu, die das Bio-Hotel Schweitzer so besonders machen: “frische Äpfel und Granderwasser im Zimmer, positive Sprüche auf der Menükarte, das freundliche und aufmerksame Personal”. Ein anderer Hotelgast erzählt mir, dass es für ihn so bemerkenswert ist, dass nichts verschwendet wird und mit allem sehr achtsam umgegangen wird. Eine Mutter und Ihre Freundin mit Ihren fünf Kindern sind hier, weil sie die Ruhe und die familiäre Atmosphäre genießen.  Gleichzeitig hat man im Bio-Hotel Schweitzer aber die Möglichkeit den Luxus und die Wellnessanlagen des Hotels Schwarz, das ein paar hundert Meter entfernt liegt, zu nützen. Beim unglaublich angebotsreichen und ansprechenden Bio Frühstücksbuffet erzählt mir Frau Schweitzer wie wichtig es für sie ist, dass die Gäste das Beste bekommen: “Beim Essen darf man nicht sparen”, sagt sie.  Die meisten Produkte stammen aus dem Bio Großhandel, das Obst und Gemüse und teilweise die Milchprodukte aus Oberösterreich, ein weiterer Teil der Produkte aus der Region. Gerade als ich mich verabschieden möchte und in Richtung Hotel Schwarz aufbrechen will, kommt ein Mann und eine Frau mit einer Kiste frisch geernteter Salatköpfe fürs Mittagsbuffet zur Tür herein. Es ist der Tierarzt Dr. Georg Speckbacher und seine frisch vermählte Frau (sie haben am Tag zuvor geheiratet!), die in Stams einen Bio-Hof betreiben.  Es wird schon wieder für Mittag aufgetischt und ich geselle mich zu den beiden frisch Vermählten und genieße mit ihnen den knackigen Salat. Georg Speckbacher erzählt mir, dass auch die Gartenerde im Garten des Hotels stammt von ihm komme. Er beschäftigt sich mit vielen Dingen im Bereich Landwirtschaft und Nachhaltigkeit. Drei Jahre hat er in Afrika in der Entwicklungshilfe gearbeitet, bevor er in Stams den Familienhof übernommen hat. In seiner Arbeit versucht er die Leute zu vernetzen – beispielsweise wenn ein Bauer schlachtet vermittelt er das Fleisch an Hausfrauen im Ort, oder wenn jemand eine bestimmte Maschine kaufen möchte und er jemanden mit so einer Maschine kennt, probiert er die Menschen zu vernetzen. Die Speckbachers laden mich ein ihren Hof auf meiner Rückfahrt nach Innsbruck zu besuchen, aber leider werden sie dann am Abend auf Visite sein, als ich nach meinem Besuch im Wellnessresort vorbei kommen möchte.