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18.-20. Juli 2011
posted on 28.07.2011 - Allein schon die Anreise, zuerst mit der Bahn nach Bregenz und dann die Busfahrt durch den Bregenzer Wald zu unserem Zielort Bizau, begeisterte uns hellauf. „S’Ländle isch oanfoch schen!“ Sofort kommen uns die Gedanken, gerne länger als die geplanten drei Tage zu bleiben. Die Häuser großteils aus Holz bzw. mit Holzverkleidung gebaut machen auf uns augenblicklich die Naturverbundenheit, die in dieser Gegend herrscht, sichtbar.
Später erfahren wir von Herrn Ludwig Greußing (Bio-Bauer und Lieferant fürs Schwanen), dass sich die Einstellung der „Wälder“ derart richtet, Baumaterialien aus der Gegend zu verwenden, wenn diese schon vor der Haustüre in Massen zur Verfügung stehen. Deswegen überraschte es uns kaum, dass das Hotel Schwanen – vor drei Jahren renoviert – heute ebenso im Holzbaustil dasteht. Die wunderbar hellen und offenen Zimmer sind in Weißtanne gekleidet; wir finden auch einen Lattenrost aus Zirbe, die ja für eine beruhigende Wirkung und einen angenehmen Schlaf sorgen soll. Unterstützt wird sie vom Dinkelkorn-Kissen.
Bei der weiteren Inspektion des Zimmers stoßen wir auf genau das, wofür das Hotel Schwanen steht: die Seife aus Molke stammt aus dem Nachbarsort Egg – Familie Moosbrugger legt großen Wert auf frische Produkte aus der Region. Im Hotel Schwanen spürt und erlebt man von Anfang an alle Aspekte des Bio-Gedankens und der Nachhaltigkeit. Ein Beispiel, das sofort ins Auge springt: in jeder Ecke und zu jeder Zeit, vom Frühstückstisch übers Nachttischkästchen bis zum Ruheraum der Sauna, findet man Bücher, Zeitschriften und Broschüren, die sich hauptsächlich eben wieder genau diesen Gedanken widmen! (Tipp: BIORAMA – das Magazin für nachhaltigen Lebensstil, auch unter: www.facebook.com/biorama – im Schwanen entdeckt und daheim sofort kostenlos abonniert!)
Am Nachmittag hatten wir die Gelegenheit, dem Betrieb von Ludwig Greußing und seiner Frau einen Besuch abzustatten. 1995 den Hof der Eltern übernommen, entschieden sie, neben ihren „normalen“ Jobs den Hof weiterzuführen. Doch nicht im konventionellen Stil. Familie Greußing entschied sich dazu, die Landwirtschaft auf Muttertierhaltung umzustellen. Diese Form der Aufzucht ist offensichtlich eine der ursprünglichsten, da das Kalb nach der Geburt bei seiner Mutter bleibt und sich hauptsächlich von der Muttermilch ernährt. Die spätere Ernährung erfolgt dann mit Produkten aus eigener Landwirtschaft. Nicht zuletzt dank enger Zusammenarbeit mit dem Hotel Schwanen und gegenseitiger Kritik empfand Familie Greußing die Bio-Zertifizierung 1997 als keine große Hürde mehr. Der Betrieb erfüllte bereits vorher schon alle Auflagen – einzige Umstellung sind nun die regelmäßigen Kontrollen. Hier erkennt man, dass die Umstellung auf Bio nicht unbedingt einen derart enormen Aufwand darstellen muss – viele führen ihren Betrieb schon fast zu „Bio-Konditionen“, einzig die offizielle Bestätigung fehlt oft noch.
Ein weiteres spannendes Detail: Familie Greußing versucht, ihre Lebensweise so autark wie möglich zu gestalten. Hier will ich nur wenige Highlights erwähnen: Geheizt wird mit Erdwärme und einem Kachelofen (inklusive integriertem Backrohr). Die Möbel sind alle selbst von Hand hergestellt → wunderschön!
Eigener Gemüseanbau mit Hügelbeet nach Josef Holzer. Der Testanbau von Christine Greußing – gedeiht bereits prächtig!
Doch werfen wir noch einmal schnell einen Blick ins Schwanen und auf die Küche nach Hildegard von Bingen. Für mich vor meinem Aufenthalt im Schwanen absolut kein Begriff, wurde nun meine Neugier und Interesse geweckt! Ich durfte – zumindest für mich – oft absolut neue und unbekannte Geschmacksrichtungen entdecken, aber auch alte nochmals neu erfahren. Ein Lieblingsbeispiel: Normalerweise kann ich Fenchel noch nicht einmal riechen, doch ich ließ mich auf eine Fenchelschaumsuppe, zubereitet nach den Kriterien der Hildegard-Küche, ein und wurde sogleich überrascht! Nie hatte ich gedacht, dass Fenchel auch so lecker schmecken könnte! (Von den Suppen der Küche war ich aber ohnehin ein Riesenfan… dass alle Speisen ausgezeichnet schmecken brauche ich nicht mehr zu erwähnen: die Küche ausgezeichnet von „Gault Millau“ mit einer Haube reicht glaube ich als Beweis – nebenbei steht auch noch die letztjährige Europameisterin der Berufs- Europameisterschaften “EuroSkills” Sarah Geser in der Küche…)
„Fenchel schadet roh gegessen einem Menschen nicht. Wie immer man ihn genießt, macht der den Menschen fröhlich, gibt ihm eine schöne Farbe, einen angenehmen Geruch und eine gute Verdauung." (Hildegard von Bingen)
Neben diesem Zitat finden sich auf der Menükarte noch folgende Infos: „Das vom Fenchel allgemein Gesagte, und zwar auch vom grünen Fenchel und vom Fenchelkraut, gilt selbstverständlich auch vom Fenchelsamen. Fenchel ist ein Frohmachergewürz und hilft bei Verdauungsstörungen, Kraftlosigkeit, Magerkeit, Wetterfühligkeit und Melancholie.“
Beim Kurzbesuch in der Küche konnte ich mich sodann, davon überzeugen, dass das Versprechen, die Gäste traditionell, biologisch und regional zu verwöhnen kein leeres war: eine frische Lieferung Schwammerl, am Nachmittag von einer Freundin des Hauses gesammelt, traf ein! Da diese nicht dem Bio-Zertifikat entsprechen (können einige Pilze so gut wie nie!) werden diese einfach als „Wildfang“ geführt. Diese sind dann also zulässig und werden dann auch zu einem köstlichen Pilzragout zubereitet! Traditioneller, biologischer, frischer und regionaler geht es wohl kaum! Einfach lecker!
Tipp: Rezepte aus der Schwanenküche
P.S.: Beim Schreiben dieses Berichtes läuft mir erneut das Wasser im Munde zusammen! ![]()
posted on 29.07.2011 - Um drei Uhr klingelt der Wecker. Una wollte unbedingt wandern gehen: „Schlafen können wir ja daheim auch…“
Gut ausgerüstet (kühles und regnerisches Wetter) werden wir von Pius Feuerstein direkt vorm Hotel abgeholt. Zielort Kanisfluh. Während der Fahrt zum Aufstieg, erzählte er uns einige Details über die Umgebung: er meinte, wir sollten den „flüssigen Sonnenschein“ nicht fürchten, das Treffen auf „die Steinböcke, die im natürlichen Kräutergarten wohnen“ würden unsere Mühen entschädigen. (Dies sollte sich wahrlich bestätigen!) In Mellau treffen wir weitere Wanderer – einer bei Eiseskälte in kurzer Hose – der Kommentar unseres Bergführers lautete dazu nur: „Er wird scho wissa was ea tuat!“
Zwei Stunden später auf 2044 Höhenmeter, zwischen Edelweiß und Schneehühnern, ergötzen wir uns am mystisch wirkenden Sonnenaufgang und genießen in der Morgensonne die Bio-Jause – dafür ein herzliches Dankeschön, Famile Moosbrugger! Noch schnell vom lieben Antony Gormley („Horizon Field“) verabschiedet, dürfen wir ein weiteres Highlight erleben: Steinböcke aus nächste Nähe! Unser Bergführer Pius war sogar in der Lage, die relativ zahmen Tiere durch gezieltes Jodeln auf uns aufmerksam zu machen und anzulocken. Ich dachte nicht, so ein Erlebnis außerhalb eines Alpenzoos erfahren zu dürfen – auch für Schulen wäre ein solcher Ort optimal für Ausflüge aller Art geeignet. Botanisch, zoologisch und auch ökologisch lässt sich in dieser Gegend enorm viel erkunden.
Dieser Ausflug war einfach unbeschreiblich schön und da Bilder bekanntlich mehr sagen als tausend Worte, einige Eindrücke....
Aber um nun wieder auf unser eigentliches Thema zurückzukommen, will ich von einem mir noch sehr unverständlichem Erlebnis erzählen: Nach unserem Abstieg sahen wir einen LKW, der Kraftfutter aus Deutschland geladen hatte, von einer Alm herunterfahren. Gutes, sauberes Futter wäre doch auch hier zuhauf vor der Türe zu finden. Unvorstellbar für mich, inmitten dieser reichhaltigen Weiden und Wiesen, Futtermittel von weit her zu importieren. Doch ein besseres Gefühl stellt sich sofort ein, als wir uns wieder im Bio-Hotel befinden und den selbstgemachten Hildegard von Bingen – Himbeersaft (aus Hand-gesammelten Himbeeren versteht sich, püriert und mit Galgant versetzt) schlürfen. Um unsere Füße zu regenerieren entschieden wir uns für eine Barfußwanderung durch das nahegelegene Moor. Interessante Infos erzählte uns bereits am Vortag Herr Ludwig Greußing zu diesem Biotop. Es wird nur wenige Male im Jahr gemäht, dann teilen sich die Bauern das gewonnene Einstreu fair auf. Weiter wird das saure Moor für Kuranwendungen genutzt. Beispielsweise werden im benachbarten Bad Reuthe Moorstiche entnommen – diese werden nach den Anwendungen wieder ins Moor gegeben und regenerieren sich von selbst.
Darauf folgte ein angenehmer Saunabesuch in der wunderschönen und gemütlichen Sauna des Hotels, mit Ruhezone, wo sich neben relaxten Gästen zahlreiche Bücher zu den Themen gesunde Ernährung, Hildegard von Bingen und Bio im Allgemeinen breit machen. Wir sind uns in allen Punkten einig: Vorarlberg – besonders die Gegend um Bizau / Bregenzerwald ist jederzeit einen Urlaub oder Ausflug wert! Außerdem haben wir immer mehr das Gefühl, dass Familie Moosbrugger durch und durch überzeugt von ihrem Konzept ist und und uns nicht zuletzt deshalb absolut authentisch eine vorbildliche Einstellung zu den Aspekten der Regionalität, Saisonalität und Ökologischer Nachhaltigkeit vorlebt!
posted on 02.08.2011 - Leider konnte mich nicht einmal mehr der Galgant Himbeersaft vor einem grippalen Infekt retten und das Wetter hatte sich absolut gegen uns verschworen, deshalb mussten wir leider am letzten Tag auf die Wanderung zur Sennerei verzichten. Wolfgang Moosbrugger hätte uns und alle interessierten Gäste zu ihrem Käsemacher, die Familie Bär, auf die Alpe Weißenbach begleitet. Dort hätten wir dem Senn bei seinen Arbeitsgängen zuschauen können. Auch die gesunde „Sennsuppe“ ist ins Wasser gefallen. Wirklich sehr schade!
Doch das wunderbare Frühstück an diesem unseren letzten Tag ließen wir uns nicht entgehen! Und aufs Neue begeisterte uns das Hotel Schwanen mit seinem Konzept: das Frühstücksbuffet, nicht überladen aber alles Wünschenswerte vorhanden, schlicht und stilvoll angerichtet, überzeugte mit konsequent durchgezogener biologischer und ökologisch nachhaltiger Linie!
„Die erste Mahlzeit des Tages sollte wohltemperiert sein. Ein Magen, der am Morgen durch eine kalte Mahlzeit oder ein kaltes Getränk abgekühlt wird, benötigt eine gewisse Zeit, um wieder seine normale Temperatur zu erreichen. Die Energie, die er dazu braucht, fehlt für anderes.
Die Marmeladen sind immer hausgemacht: aus gesammelten Beeren oder aus Obst von biologischen Landwirten oder Gärtnern.
Der Maronihonig ist aus bestem heimischen Blütenhonig und Maronimehl nach Hildegard von Bingen gemacht. Er ist ein hervorragendes Lebensmittel, beugt Müdigkeit und Traurigkeit vor, wirkt Stress, Depression und Aggression entgegen und hilft auch bei Einschlafproblemen. Täglich ein Esslöffel Maronihonig als Brotaufstrich am Morgen oder einen Kaffeelöffel voll am Abend vor dem Schlafengehen essen!
Den Tannenwipfelhonig gewinnen wir aus Tannenwipfeln, die im Frühjahr in unseren Wäldern geerntet werden. Den Löwenzahnhonig aus Löwenzahnblüten, die von ungedüngten Wiesen gesammelt werden.
Die Brotauswahl ist ausschließlich aus biologischem Getreide und daher alles von uns gebacken.
Alle Milchprodukte sind aus biologischer Landwirtschaft – von Familie Josef Gmeiner, Bizau. Das Müsli aus Dinkelflocken und Dinkelgrütze wird gekocht und mit Äpfeln verfeinert.
Den Bergkäse beziehen wir vom Biobauer Ignaz Bär in Andelsbuch. Die Butter von der Biosennerei Marul. Weichkäse von den Sulzberger Biobauern. Wurstwaren werden von Erwin Mennel aus Möggers hergestellt. Vom Martinshof in Bildstein beziehen wir die biologischen Eier.
Alle Produzenten sind nachvollziehbar gelistet. Auf die Umwelt wird geachtet. Qualität wird hochgehalten. Gesunde Lebensmittel werden hier zelebriert. Das Buffet wirkt wieder einmal – wie auch der Rest des Hotels – absolut stimmig und authentisch. Also was wünscht man sich von einem Bio-Hotel noch mehr? Und so stellte sich heraus, dass sich unsere anfangs gehegten Wünsche, gerne länger zu bleiben, nun noch stärker manifestiert haben. Es gäbe noch so viele Details, die man hier erleben und über die man berichten könnte, wir haben nur einen Bruchteil erkunden können. Das Hotel Schwanen ist einfach kein typisches Hotel. Auf mich wirkt es irgendwie sehr dynamisch, wie im ständigen Wandel aber trotzdem kann man hier perfekt zur Ruhe kommen. Im Schwanen fühlt man sich einfach durch und durch wohl, man genießt und lässt es sich gut gehen!
Wir möchten uns an dieser Stelle nochmal herzlich für die Gastfreundschaft bei Familie Moosbrugger und dem ganzen Team bedanken! Wir waren und sind immer noch vom Hotel Schwanen in Bizau begeistert!
P.S.: Auf den Tipp von Wolfgang Moosbrugger hin machten wir auf unserer Heimreise noch einen kurzen Stopp im nahegelegenen Bregenz und bestaunten die beeindruckende Seebühne der Bregenzer Festspiele (es war zufällig Eröffnungstag mit tollem Rahmenprogramm!)
P.P.S.: Ab drei Tagen Aufenthalt bekommt man im Hotel übrigens die “Bregenzerwald-Card“, mit der man nahezu uneingeschränkt alle Transportmittel (auch Bergbahnen, Lifte, Schwimmbäder, etc.) eben im gesamten Bregenzerwald nutzen kann – einem Ausflug nach Bregenz zum Beispiel steht also nichts im Wege! ![]()