Biodyssey im BIO-Hotel Parin

    Informationen über ALEJANDRO BOUCABEILLE
    11.-13. September 2011


    .. im Norden ankommen & im Gutshaus Parin wohlfühlen

    posted on 06.10.2011 - …nein! Da ich in den Norden fahre. Zur Ostsee. Das Gutshaus Parin, Partnerhotel vom Gutshaus Stellshagen (ca. 10 km entfernt), wartet auf mich. Ich versuche mir bewusst zu werden, dass ich in den „Norden“ fahre. Bilder aus dem Film „Bienvenue chez les SCHTIS“ tauchen in meinem Kopf auf. Ja, Sie haben richtig gelesen. Der Norden, er ist es. Eine andere Sprache, andere Sitten, ja, alles soll hier anders sein…. Nun, ich darf Sie beruhigen. So schlimm ist es nicht. Im Gegenteil! Mein erster Eindruck: Wow! Ein wunderschön restauriertes Gebäude, modern, wie in einer malerischen Landschaft gelegen, kein Lärm, ich rieche sofort einen intensiven Duft nach Holz (Bio-Holz!), ich spüre die Wärme und Liebe, die in dieses Haus gesteckt wurden. Mein Quartier für die nächsten zwei Nächte. Leider nur zwei Nächte! Für meine letzten Bio-Nächte. Wie schon der berühmte Publilius Syrus vor vielen hunderten Jahren treffend bemerkte: „Die Macht der Gewohnheit ist wahrlich stark“. Die Macht der Zeit drückt auf mein Denken. Philosophisch, aber…

    18 Uhr, Abendessen: ich staune, als ich höre, alles ist vegetarisch. Für einen jungen Menschen, der schon seit fast zwei Jahrzehnten lang Vegetarier ist und das normale Verständnis von „Vegetariertum“ in der westlichen Gesellschaft gewohnt ist (darum meistens nur Beilagen als Speise vorgesetzt bekommt???), kling das nach einem Eldorado. „Ja, Sie haben richtig gehört, alles vegetarisch“, respondiert der aufmerksame, zuvorkommende Servicemitarbeiter. Ich staune als ich das schön hergerichtete Büfett betrachte, so sehr, dass ich gleich Fotos davon machen muss. Die Vielfalt und bunte Mischung unterschiedlicher leckerer Gerichte fasziniert mich. Mich beschäftigt die Frage, warum die Menschen „Vegetarier“ und „Bio-Esser“ oft diskriminieren. Ist es so ungewöhnlich sich hauptsächlich von Gemüse und Obst ernähren zu wollen? In spannenden Gesprächen mit anderen Gästen diskutieren wir diese Frage. Anscheinend ja, ist unser gemeinsames Ergebnis.

    Während unserer Erörterungen entstehen Gespräche die ungefähr so wie der folgende Dialog abliefen (wenn man meinem Tagebuch vertrauen will):

    Servicemitarbeiter: Die meisten Menschen interessieren sich nicht, es fehlt ihnen das Bedürfnis, die Information oder das Bewusstsein um sich mit der Bio-Philosophie näher zu befassen. Um sich ernsthaft mit Themen wie Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen.

    Alejandro: Ja, finde ich auch. Während dem Besuch anderer Biohotels bin ich im Gespräch mit anderen Leuten (Gästen wie Mitarbeitern) zu dem Schluss gekommen, dass es eine Frage der Bildung, des Bewusstseins und der persönlichen, ökonomischen Lage ist. Als Beispiel nehme ich Bayern. Diese ganze Bio-Philosophie hat doch im entwickelten Süden Deutschlands begonnen und nicht im Norden oder im Osten. Das spricht doch für sich. Insbesondere diese wirtschaftliche Dimension. Es hat dort die Bedingungen gegeben um sich damit im täglichen Leben zu befassen. Jetzt in einer Zeit der Wirtschaftskrise, der Unsicherheiten und der immer größer werdenden Disparitäten zwischen reich und arm, in der sich die breite europäische Mittelschicht auflöst, wird es immer schwieriger.

    Servicemitarbeiter: Also, ich bin mir nicht sicher ob Bayern der Ursprung war…

    Gast: Ja, vielleicht, aber darauf kommt es nicht an. Wir verstehen deinen Punkt, Alejandro.

    Alejandro: Wir sind ja ein Teil dieser „Geiz ist geil“-Generation. In unserer Zeit: „Fast-food“, langsam ja auch mehr „Slow Food“, wird der Essenskultur, der bewussten Nahrungsaufnahme und den damit zusammenhängenden Phänomen und Prinzipien (Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Tierrechte, BIO-Qualität usw.) wenig Bedeutung zugemessen. Hauptsache: schnell und billig. Auf Qualität, auf Nachhaltigkeit, (soziale) Verantwortung, Prinzipien, Andersartigkeit und Gesundheit wird nicht geschaut. Wahrscheinlich ein Zeichen unserer Dekadenz-Gesellschaft!

    Gast: Es ist ja kein Wunder, dass Aldi und Lidl so billig produzieren. Bei der Menge… Und allerdings geschieht das ja oft ohne jede Nachhaltigkeit oder Verantwortung für die Zukunft (Stichwort: Politiker!).

    Servicemitarbeiter: Die meisten Menschen sind ja oft unsicher und haben kein Wissen diesbezüglich. Zudem wiegen die schlechten Gewohnheiten ja schwer.

    Alejandro: Ja, stimmt. Auch wird aber der Mensch entmündigt. Oder entmündigt er/sich sich selbst? Er/sie ist Teil dieses Systems und gibt seine Verantwortung, seine natürliche, angeborene Neugier ab. Jedes Baby oder Kind ist neugierig, hat den Drang zu lernen und will sich an sich eigentlich gesund ernähren. Die Entfremdung betrifft sein ganzes Leben. Er/sie ist sich dessen dann nicht bewusst. Nur selten und da ist er ja schon ein lebender Zombie. Wir sind dann auch in diesem Teufelskreislauf gefangen und können schwer ausbrechen. Wir vergessen oder besser gesagt: wir verlernen das essentielle, das natürliche, das wichtigste. Wir verlernen zu essen, wir verlernen das unserer Gesundheit förderliche zu tun und so weiter. Wir verlernen zu leben! Menschen leben ohne jemals wirklich gelebt zu haben. Vielleicht müssen wir mal nicht lernen sondern ver-lernen. Einfach auf uns hören und geschehen lassen.

    Gast: Schön gesagt…jeje. Du könntest uns ja von deiner Nachhaltigkeitsreise erzählen. Da geht es ja um ähnliche Themen, für die du mehr Bewusstsein und Aufmerksamkeit bekommen willst. Richtig?

    Alejandro: Ja, genau.

    Servicemitarbeiter: Ja, das Konzept ist spannend und die ganze Idee ist ja sehr interessant. Der Name: Mission on Bike 2012: Latin and Central America. Conserving the most precious…

    Alejandro: our planet ist treffend. Genau, super…also… aber das ist eine ganz andere Geschichte. (Siehe: http://missiononbike.wordpress.com/ und auf Facebook: Mission-on-bike-2012).


    …und bin so klug als wie zuvor…

    posted on 16.10.2011 - Einige Gedanken, die mir als Vegetarier und fast Veganer während meinem Aufenthalt im Biohotel Parin öfters durch den Kopf gegangen sind:

    …schlussendlich ist das doch alles eine Sache der Definition. Was heißt x? Was heißt oder besser gesagt wie bezeichnen wir etwas?

    Sprache schafft tatsächlich Sinn und Realität. Der anscheinend existierende Gott sprach Wörter und somit wurde (entstand/erschuf er) die Welt. Ein kleines aber umso wichtigeres Beispiel: beim neulich präsentierten Film „Die gekaufte Wahrheit“ wird mit Bedauern (was schon länger und eigentlich im Verlauf der Geschichte immer schon so wahr) festgestellt, dass die Wissenschaft vom Kapitalismus kontrolliert wird. Das Geld, die Interessen, die Lobbys, vor allem die multinationalen Konzerne usw. bestimmen wohin das Geld für die Forschung investiert wird und schlussendlich auch, was Wahrheit, was richtig und falsch, was gesund und nicht gesund ist, was gegessen und nicht gegessen werden soll. Die Wissenschaft (sofern wir von einem eindeutigen Ergebnis und somit einer „absoluten Wahrheit“ sprechen können) diktiert nicht die Richtung oder bestimmt diese Begrifflichkeiten und/oder entscheidet dies. Nein! Die Konzerne, die Macht, die Ökonomie, die Wirtschaft…

    Laut dem Film sollen nur 5% der Wissenschaftler die im Bereich der Biogenetik arbeiten, unabhängig sein. Das Faktum der Einflussnahme des Kapitals auf die Wissenschaft hat nicht nur fatale Folgen für uns alle sondern auch für die betroffenen Wissenschaftler selbst, die in den meisten Fällen ihren individuellen Forschungen nicht mehr kritisch nachgehen können und unter extremen Druck stehen und deren Karrieren meist ruiniert werden.

    Nach diesem kleinem Exkurs möchte ich nochmals der folgenden Frage nachgehen: Warum bezeichnen wir etwas als x und nicht als y? Denn diese Wahl beeinfluss natürlicherweise unser Verhältnis zu dem Subjekt/Objekt und darüber hinaus…Ja, selbst, die Auffassung, wie wir das andere, uns gegenüber betrachten. Als Subjekt oder Objekt? Gehen wir mit diesem/r in eine natürliche „Ich und Du“-Beziehung wie das der bekannte Philosoph Martin Buber forderte oder kommt es zu gar keiner Beziehung? Also eine Ich-Es Beziehung, wie das oftmals der Fall ist, dass eher als Zeichen der persönlichen Entfremdung gelten kann?

    Der Leser fragt sich sicherlich, worauf ich hinaus will. Nun, wie aus den Zeilen vielleicht ersichtlich wird, versuche ich ein kritischer Mensch zu sein, der alles hinterfragt, selbst das eigene hinterfragen und darüber hinaus. Also, ich mache es kurz, denn ich will mein anscheinend kleines Geheimnis nicht verheimlichen (obwohl ich Mitglied bei Slow Food Tirol bin und eine eigene Tierschutzgruppe gegründet habe: LIFE-Universitäre Interessensgemeinschaft für Tiere), frage ich mich oft, warum wir das Tier immer in dieser patriarchalischen, kapitalistischen, utilitaristischen, religiösen Weise betrachten? Warum wir Milch, Käse, Fleisch usw. als „natürliche Produkte“ und nicht als „Raub, Vergewaltigung und Ausbeutung“ der Tiere bezeichnen?

    Denn all diese Entscheidungen beeinflussen und bestimmen unsere Beziehung zu diesen anderen Lebewesen dieses einzigartigen Planeten: den Tieren. Der Mensch, der sich diese Gedanken-Welt aufgebaut hat und immer noch aufbaut (!) und in der demgemäß die Welt „anthropozentristisch“ organisiert ist, sind alle anderen Lebewesen (die keine „Menschen“ sind, da gibt es auch unterschiedliche Unterscheidungen und Kriterien, vor allem in totalistischen und faschistischen Regimen usw.) von Rechten ausgeschlossen. Wie wir wissen spielt hier die Religion eine große Rolle: „du sollst sie dir untertan machen und an ihnen freuen…“ oder wie das genau heißt (ohne die Bibel jetzt aufgeschlagen zu haben. In diesem Zimmer gibt es übrigens keine Bibel! Dieses kleine Detail macht den Unterschied aus, denn auch das hier muss bestimmt sein und nicht einfach dem Zufall überlassen werden. Da wir ja in Österreich leben und dieses schöne Land leider nicht wirklich ein Staat der Laizität ist, verwundert es mich umso mehr. Auf jeden Fall finde ich es richtig, dass hier in diesem Fall die Religion auch nicht nach Außen gekehrt wird sondern ein innere Angelegenheit bleibt; hier sei ein Lesetipp angebracht: José Saramago: Kaín, das letzte literarische Werk des bibelkundigen aber atheistischen Literaturnobelpreisträgers Portugals), solche religiös-fanatisch-geprägten Imperative machen uns blind und führen dazu, dass wir uns immer mehr entfremden und den anderen Lebewesen auf diesem Planeten keine oder nur sehr beschränkte Rechte eingestehen.

    Während die meisten bewusst oder unbewusst auf das Jenseits steuern (das sehr wahrscheinlich nur ein Hirngespinst von uns ist, entstanden aus der Angst vor dem Tod, dem Ende und dem Wunsch nach einem Weiterleben, vergessen wir das LEBEN, das Jetzt, das DIES-SEITS und machen aus dieser Welt eine schreckliche Welt, eine Welt voller Schmerz, voller Un-Recht und eine Welt in der es nicht recht ist von RECHT oder GERECHTIGKEIT zu sprechen (obwohl uns ja unser Über-Ich und Gott dazu bewegt oder unter Strafe zwingt; was wir allerdings die meiste Zeit vergessen oder bewusst nicht machen). Auf jeden Fall möchte ich hier Schluss machen und jeden zum Nachdenken bewegen: machen wir nicht eher eine Hölle aus unserem Planeten? Leben wir das woran wir glauben? Ist Religion nicht eher SEIN statt HABEN? Also etwas dynamisches als etwas STATISCHES, also ein Verb und nicht ein Substantiv? Alleine die Begriffe: Um-Welt und Mit-Welt sprechen für sich.