Biodyssey im BIO-Hotel Panorama in Mals

    Informationen über MICHEAL DE RACHEWITZ
    30.-02. Oktober 2011

     

    Eintauchen ins Land der Palabirn, des Ortlers und Tartscher Bühels

    posted on 18.01.2011 - Das erste zertifizierte Biohotel Italiens, das Biohotel Panorama, ein Familienbetrieb mit Thea an der Rezeption, Georg im Service, Lena im Gemüse-und Kräutergarten und Service, Friedrich in Küche und Garten, den Schwestern von Thea und Friedrich und weiteren acht tatkräftigen Mitarbeitern, liegt im Vinschgau, dem westlichen Teil der berühmtberüchtigten nördlichsten Provinz Italiens mit seinen 500.000 Einwohnern. Begrenzt wird Südtirol im Osten durch große Teile der Dolomiten und im Westen durch die niederschlagsärmste Region der Alpen, dem Obervinschgau; hier grenzt Italien an die Schweiz und an Österreich. Dieser Bezirk Südtirols gehört zu den ärmsten im Land und vielleicht auch deshalb zu den kulturell interessantesten: viele alte Bauwerke sind noch erhalten, wurden teilweise architektonisch integriert und nicht einfach aufgegeben oder abgerissen.

    Das Haufendorf Mals liegt am Anfang der grünen Anhöhe der Malser Haide und überblickt damit den unteren Teil des Obervinschgaus: etwas südwestlich die kleinste Stadt Südtirols, Glurns, die von der mittelalterlichen Stadtmauer eingegrenzt wird. Südlich das Dorf Prad, die Prader Sand und die Auen, jene sumpfigen Biotope die einst große Teile der Tallandschaft Südtirols geprägt haben und Grund für Malaria, aber auch für vielfältige Flora und Fauna gewesen sind. Auf der orografisch linken Talseite dann der „Tartscher Bichl“, ein mythologischer Hügel mit der kleinen St. Veit Kirche, Bunker, rätischen Ausgrabungen, Schalensteinen und vermutlicher „Rutschrinne“, die in rituellen Zeremonien die Empfängnis der Frau erhöhen sollte indem diese am Stein nackt runterrutschte. Die Funktion der Schalensteine wurde nicht abschließend geklärt, es gibt sie aber auf der ganzen Welt: Vielleicht war es ein Zeitvertreib gelangweilter Hirten, womöglich wurden sie aber auch zur Sterndeutung verwendet. Oder es wurden in den Schälchen Opfer für den Ortsgeist, dem genius loci – beispielsweise mit Milch oder Butter – dargebracht.

    Oberhalb von Mals erstreckt sich die Malser Haide bis zum Haider See und dem Reschensee, jenem Stausee, für den, wie vielerorts, ein ganzes Dorf in die Luft gesprengt und übersiedelt wurde. Jetziges touristisches Wahrzeichen ist der stehengelassene Kirchturm, der eigentlich auch als Mahnmal betrachtet werden kann und meist aus dem Wasser ragt, manchmal aber auch im trockenen steht.

    Und mitten drin im Obervinschgau – das Biohotel! Es wurde bereits von Thea’s Großeltern als Gastbetrieb geführt. Damals waren es vor allem die vielen Busreisenden auf ihrem Weg nach Meran, aus der Schweiz und Österreich kommend. Mit Kaffee und Kuchen versorgt reisten sie weiter gen Süden. Damals war die Lage des Hotels strategisch ideal, direkt an der Vinschger Staatsstraße. Heute befinden sich die meisten Zimmer auf der anderen, ruhigen Seite des Gebäudes mit herrlicher Aussicht auf die Kulisse der Obervinschger Bergwelt: Der Jennwand, an dessen Fuß der berühmte Laaser Marmor abgebaut wird, der aufgrund seines reinen Weisstons unter anderem für die Kreuze der amerikanischen Gefallenen des zweiten Weltkriegs verwendet wurde. An diesen Marmorberg anschließend die Laaser Spitze, die Tschengelser Hochwand bis hin nach Sulden wo sich die höchsten Berge Südtirols erheben, die Königsspitze und als Abschluss der mächtige Ortler (3905 Meter).

    Einen deutlichen Wandel erfuhr der Betrieb als Thea ihren Mann Friedrich Steiner kennen lernte – er führte bereits vor 26 Jahren die Mülltrennung im Panoramahotel ein, Jahre vor der offiziellen Einführung im Ort. Er fand es dringend nötig sich der weggeworfenen Abfallmassen bewusst zu werden und diese, wo möglich, zu minimieren. Außerdem nahm die Qualität der Speisen, deren lokaler Erwerb und die Ästhetik der Zubereitung eine immer zentralere Rolle ein. So blieben, wie Thea Steiner erzählt, unweigerlich die Schnellabfertigungs-Touristen mit Blick für Geschwindigkeit und über den Tellerrand reichenden Speisen fern und wurden durch die immer zahlreicher werdenden, immer wiederkehrenden Hausgäste ersetzt.

    Für die Küche wurden nach Möglichkeit lokale Produkte aus dem Vinschgau  verwendet, denn für Friedrich war klar, die Landwirtschaft musste in den Tourismusbetrieb eingebunden werden. Das Fleisch, die Milch und die Eier kamen von einheimischen Bauern. Friedrichs Bestrebungen die lokalen Bauern zum Anbau einer vielseitigen Palette an Zutaten aus dem Garten zu motivieren war äußerst schwierig, woraufhin die Familie direkt unter dem Hotel ein Feld der Gemeinde pachtete und dort auf einer fußballfeldgroßen Fläche Roggen, Kartoffeln, verschiedene Kohlsorten, Kürbis, Tomaten, Zucchini,  Rüben, verschiedenste Salate, Spargeln, Bohnen, Gurken usw., sowie weit über 70 verschiedene Kräuter (von Ananassalbei, peruanischem Süßkraut bis hin zum Baldrian) säht, zieht, pflanzt und bearbeitet. Bewässert wird über den Regenwassertank mit eingebautem Granderwassersystem, in welchen auch das Wasser des Tauch- und Kneipbeckens eingespeist wird, ab Ende April zusätzlich auch das Beregnungswasser.


    WISSEN, WAS MAN ISST

    „ ICH MÖCHTE DIE GESCHICHTE EINER SPEISE KENNEN. ICH MÖCHT WISSEN, WOHER DIE NAHRUNG KOMMT. ICH STELLE MIR GERNE DIE HÄNDE DERER VOR, DIE DAS, WAS ICH ESSE, ANGEBAUT, VERARBEITET UND GEKOCHT HABEN.“ (Carlo Petrini, „Buono, pulito e giusto“)


    Die Menüplanung folgt dem Angebot im Garten. Dazugekauft wird wenig. Joghurt wird selbst hergestellt, aus der gelieferten Biomilch vom Hof. Und das Mehl für die „Vinschger Paarlen“ stammt aus hauseigener Produktion.

    Familie Steiner wurde von ihren Gästen motiviert sich als Biohotel zu „outen“ und damit die Besonderheiten ihres Betriebes – für sie selbstverständlich – hervorzuheben.

    Der 1999 errichtete Zubau besteht aus natürlichen Materialien wie Lehmziegelwänden, Flachs und naturbelassenem handgefertigtem Mobiliar aus der näheren Umgebung (maximal drei Kilometer). In den Räumen sorgen Netzfreischalter für ein Elektrosmogfreies Klima. Da es genügend Studien zur biologischen Wirksamkeit von Hochspannungsleitungen gibt und wie so oft ein lineares Gefahrenpotential angenommen werden muss ist es besser diesbezüglich auf Nummer Sicher zu gehen. Wandheizung mittels Fernwärme aus einem Hackschnitzelwerk, Schalldämpfung durch Laaser Marmorkies und die Verwendung von Regenwasser für die Klosettwasserspülung sind einige der weiteren erfreulichen Merkmale dieses Hauses. Und in den Bädern finden wir Fließenbilder unterschiedlicher heimischer Bergblumen.