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09.-10. Juni 2011
posted on 10.06.2011 - … sagt Bio-Hotel Geschäftsführer Andreas Schwabe heute zu mir. Dass er damit nicht die von Walther von der Vogelweide besungene Liebe meinte, stellt sich im Laufe interessanter Gespräche heraus… Das Bio-Hotel Schlossgut Oberambach liegt in einer idyllischen Umgebung, zehn Gehminuten von den Ufern des Starnberger Sees entfernt. Zum Hotel gehören noch etwa 50 Hektar der umliegenden Wiesen und Wälder. Dass hier auch Hochzeiten stattfinden, erklärt sich mir von selbst. Selten habe ich ein so romantisches Plätzchen gesehen.
Sofort wird ersichtlich, dass das Schlossgut keine Landwirtschaft mit Hotelfunktion ist, sondern ein Hotel der oberen Kategorie. Das merke ich schon, als ich die Räumlichkeiten zum ersten Mal betrete. “Und das ist auch beabsichtigt”, erklärt mir Andreas Schwabe, Geschäftsführer und Gründer des Bio-Hotels. Schnell hat er gemerkt, dass er den Leuten etwas bieten muss, damit sein Hotel erfolgreich läuft. Als ich danach frage, wie er denn darauf gekommen sei ein Bio-Hotel aus dem Schlossgut zu machen, antwortet er mir mit Geschichten aus seinem Leben. Herr Schwabe macht keine große Sache daraus, dass er aus einer Familie kommt, die zu den wichtigsten Vorreitern auf dem Gebiet der Homöopathie zählt. Er wollte immer schon sein eigenes Ding durchziehen. Aber trotzdem erkennt man, dass seine Vorstellungen von der Beziehung zwischen Natur und Mensch nicht von ungefähr kommen. Ursprünglich als Tagungs- und Heilzentrum geplant, ist das Schlossgut heute ein rundum ökologisches Gesamtkonzept geworden, das seit 2002 auch zu den Bio-Hotels gehört.
Wirklich fasziniert haben mich die vielen Ideen, die Herr Schwabe in seinem Hotel in die Tat umgesetzt hat. Das Schlossgut selbst, zum Beispiel, wird von einem Blockheizkraftwerk und einer Hackschnitzelheizung versorgt, der Boden in den Räumen des Hotels ist nicht lackiert, die Wege im Garten sind nicht geteert, die Spülungen der Toiletten laufen über Regenwasser und das W-Lan wird über Nacht abgeschalten. In jedem Zimmer gibt es sogar einen roten Schalter, der das Zimmer frei von Elektrosmog macht. Das sind nur einige der Details, die mich immer mehr davon überzeugt haben, dass man sich hier wirklich Mühe gibt ökologisch und nachhaltig zu handeln.
Beim gemeinsamen Mittagessen kommen wir über die Zutaten der Speisen zu sprechen. Ob sie von regionalen Lieferanten in der Nähe kämen, frage ich. “Leider nur teilweise, denn der Bedarf des Hotels ist zu groß, als dass er von den nahegelegenen Betrieben gedeckt werden könnte”, antowortet mir Herr Schwabe. Das ist sehr schade, aber in diesem Fall nicht vermeidbar. Pläne, die umliegende Landschaft für den Eigenanbau von Gemüse u.a. zu verwenden, werden zwar erwähnt, aber scheinen noch nicht konkret zu sein. Das Hotel wird also von Produzenten von überall beliefert. “Das Fleisch kommt zum Beispiel aus Kufstein”, vertraut mir Sous-Chef Christoph Köhler an. “Alles in super Bio-Qualität, kostet auch dementsprechend mehr.”, erklärt er. Die Fische auf der Karte stammen direkt aus dem Starnberger-See. Ein typischer Fisch des Sees ist die Renke aus der Familie der Lachsfische. Wie mir scheint, ist alles in allem eine Mischung aus Wirtschaftlichkeit und ökologischem Handeln.
Das Mittagessen selbst ist herrlich und vor allem sehr lecker! Als Vorspeise gibt es einen kleinen gemischten Salat und die Hauptspeise besteht aus “Tempehplätzchen auf rahmigen Austernpilzen mit Bohnengemüse und confierten Kirschtomaten”. (Für alle österreichischen Leser: Bohnengemüse = Fisolen
) Tempeh sind Sojabohnen, die mit bestimmten Pilzkulturen fermentiert werden. (check -> http://de.wikipedia.org/wiki/Tempeh). Der Geschmack ist neu und interessant und nussig irgendwie
Als Herr Schwabe und ich nach dem Mittagessen dann noch durch den Garten gehen, entdecke ich eine prächtige Linde. “Hier wollte ich ein Sonnensegel installieren, aber Sie wissen ja, wie das ist, wenn der Baum blüht und alles verklebt. Unter den Linden, das funktioniert nicht.”, sagt Herr Schwabe zu mir. In meinen Augen ein schönes Zitat, das deutlich zeigt, wem Herr Schwabe in seinem Hotel den Vortritt lässt…
ps. Im nächsten Post möchte ich etwas genauer über die Speisekarte des Hotel-Restaurants schreiben ![]()
posted on 10.06.2011 - Diese Frage ist vielleicht auf den ersten Blick nicht ganz nachvollziehbar, doch bei etwas tiefergehender Auseinandersetzung mit dem Thema Fleischkonsum ganz logisch erklärbar… Als ich mir so die Speisekarte des Bio-Hotels Schlossgut Oberambach durchsehe, fällt mir sofort etwas auf: Die Anzahl der vegetarischen Gerichte überwiegt deutlich. Die Tageskarte mitgerechnet sind es, nebst Suppen und Salaten, sieben rein vegetarische Gerichte, drei Fleischgerichte und drei Fischgerichte. Herr Schwabe, der Geschäftsführer ist selbst Vegetarier und möchte seinen Gästen die vegetarische Küche näher bringen. Das finde ich einfach toll, habe ich mich doch erst vor kurzem mit dem Thema Fleischkonsum und seinen Konsequenzen auseinandergesetzt.
Vorerst will ich klarstellen, dass ich persönlich gerne vegetarisch esse und genauso gerne Fleisch. Wichtig ist für mich das Verhältnis – mehr Gemüse, weniger Fleisch. Das muss stimmen, denn ansonsten wird die Zerstörung des ökologischen Gleichgewichtes immer weitergetrieben. Vielleicht ein paar Dinge, um zu veranschaulichen, was ich meine: Der Dokumentarfilm “Dschungelburger” von Peter Heller aus dem Jahr 1995 beleuchtet die Fleischproduktion in Costa Rica. 70% des Fleisches wird von dort in die USA exportiert. Um Weidefläche zu schaffen, wird der Regenwald gerodet. Auf 70.000 Hektar gerodetem Land gehen jährlich 680 Millionen Tonnen fruchtbare Erde verloren. Das sind 2,5 Tonnen Erde für jedes exportierte Kilogramm Fleisch. Abnehmer sind – wie sollte es anders sein – bekannte Fastfood-Ketten. Die Fruchtbarkeit der Böden nimmt schnell ab. Dünger und Pestizide kommen zum Einsatz. Das “gute” Fleisch wird exportiert, das minderwertige Fleisch bleibt im Land. Trotz allem aber nicht erschwinglich für die Bevölkerung, die am Hunger leidet. Kleinbauern roden, damit sie ihre Familie ernähren können, wissen dabei aber nicht, dass der Boden schnell an Fruchtbarkeit verliert…
Natürlich sind es nicht nur die Fastfood-Ketten, die den Fleischverbrauch hinauftreiben. Man braucht sich nur in der Nähe umzusehen. In einem anderen bayrischen Gasthaus, das ich gut kenne, zähle ich auf der Speisekarte unter “Jause” 5 Fleischgerichte und zwei vegetarische Gerichte; unter “Kleines Dazwischen” fünf Fleischgerichte, kein vegetarisches; weiter bei “Hauptspeisen” 8 Fleischgerichte, ein Fischgericht und zu guter Letzt bei “Vegetarisch” 5 Gerichte. Macht unterm Strich 18 Gerichte mit Fleisch, sieben vegetarische Gerichte und ein Fischgericht.
Und wer bestimmt die Speisekarte? Der Gast, der bestellt und dadurch die Nachfrage erzeugt. Also wir, ich und andere. Das sollte uns zu denken geben und vielleicht die eine oder andere Entscheidung beim nächsten Gasthaus-/Restaurantbesuch beeinflussen.
Zurück aber zum Schlossgut Oberambach. Hier sieht man, dass man versucht den Trend zu übermäßigem Fleischkonsum etwas zu bremsen und das lässt mich mit gutem Gewissen genussvoll mein Essen genießen (Alliteration yeah!). Mahlzeit!
posted on 10.06.2011 - Es ist 5.00 Uhr, als der Wecker klingelt. Zeit, um aufs Fahrrad zu steigen und zum See hinunterzutaumeln.
Herr Strobl, der Haus-Fischer des Schlossguts Oberambach, erwartet mich bereits. Er begrüßt mich sehr freundlich und ist sehr sympathisch. Rein ins Boot und ein kleines Stück hinaus auf den See. Ein kurzes “Hallo, wie is es heute?”, als wir einer Fischerkollegin auf dem See begegnen. Sie ist eine von 34 FischerInnen, die am Starnberger See fischen. Während er die Netze einholt, erzählt er mir von seinem Leben als Fischer und was es für ihn bedeutet nachhaltig zu handeln. “Wir haben uns alle darauf geeinigt nur 4 Tage in der Woche zu fischen. Von Dienstag bis Freitag. Das ist besser für die Fische.”, beginnt er mir zu erklären. “Außerdem wählen wir die Größe der Netzmaschen so aus, dass nur Tiere, die im Durchschnitt drei bis vier Jahre alt sind, ins Netz gehen. So haben wir alle was davon. Die Fische und wir Fischer.” Die Fangsaison für die Renke, einer von 24 Fischarten im Starnberger See, ist von Jänner bis September. Danach setzt die gesetzliche Schonzeit ein. Dass die Fischer von sich aus beschlossen haben unter der Woche auch Schontage festzusetzen, zeigt, dass bei diesen Menschen die Beziehung zur Natur eine ganz besondere ist. Die Fischer verstehen sich als einen Teil des Sees und sehen die Natur nicht als Objekt, das man einfach “benutzen” kann. Es ist eine wechselseitige Abhängigkeit, geprägt von gegenseitigem Respekt.
Sehr interessant für mich, war die Begebenheit, dass der Fisch nicht mit dem offiziellen “Bio”- Qualitätssiegel zertifiziert wurde. Das sieht man auch so in der Speisekarte des Hotelrestaurants. Obwohl in arbeitsintensiver Handarbeit ökologisch und nachhaltig gefangen, reicht das offenbar nicht, um das Qualitätssiegel zu bekommen. Das Schlossgut Oberambach darf eine Ausnahme machen und den Fisch trotzdem anbieten. Irgendwie verstehe ich das alles nicht. In der Bio-Abteilung einer Supermarktkette kann man Bio-Tomaten aus Spanien kaufen. Mit Ökologie hinsichtlich Regionalität und Transport hat das meines Erachtens nach wenig zu tun. Diese Umstände bestärken meinen schon länger gehegten Verdacht: Biologisch ist nicht gleich ökologisch. Ich vermute, dass das nicht jeder weiß.
Von solchen Gedanken wurde ich dann beim Frühstück mit Frau und Herrn Strobl abgelenkt. Aus den Gesprächen erfahre ich, dass es nicht leicht ist, sich sprichwörtlich über Wasser zu halten. Sie betreiben zusätzlich zur Fischerei noch einige Ferienzimmer für Urlaubsgäste. Die Fischerei allein reicht nicht. “Aber dann haben sie im Fernsehen mal eine Dokumentation über den Pangasius gebracht, der mit großen Schleppnetzen gefangen und aus Asien importiert wird, um ihn möglichst billig hier verkaufen zu können. Das hat die Leute dann schon zum Umdenken gebracht und jetzt kaufen sie wieder mehr Renken aus dem Starnberger See.”, erzählt Herr Strobl.Schau, schau, es hilft also doch die Leute wachzurütteln, denke ich mir in diesem Moment und bekomme einen neuerlichen Motivationsschub diesen Text zu schreiben…