Informationen über CHRISTIAN MÜLLER-GUTTENBURG
22.-24. August 2011
Nach einer kurzen Nacht in der mittelalterlichen berner Innenstadt, fand ich mich um 9 Uhr im Regio-Exress nach Neuenburg. Das Wetter kann nicht besser sein um der extensiven mit Viehwirtschaft genutzten hügeligen Landschaft des berner Umlandes, den sogenannten “Röstigraben” (die Grenze zwischen Französisch und Deutschsprachiger Schweiz), zu überqueren. Mann passiert einen wahre Bilderbuchlandschaft mit schmucken Bauernhäusern, kleinen Wäldchen und weidenden Kühen auf saftigen Wiesen. Nur nach 15 Minuten blickt man auf das Jura-Gebirge, das die natürliche Grenze zu Frankreich bildet, und kann bereits einige kurze blicke auf den Neuenburger See werfen. Den deutschsprachigen Teil der Schweiz verlassend, ist das Landschaftsbild nun von Intensiv bewirtschafteten Felder geprägt auf denen Mais, Jungzwiebeln, Salt, Spinat und Zucchini angebaut werden.
In Neunburg angekommen wird man von sehr stilvollen Belle-Époue Gebäuden empfangen. Ich entschloss mich, statt den Bus meine Beine zum Aufstieg nach Montezillon zu verwenden. Man marschiert entlang einer etwas über der Stadt liegenden Straße und bekommt immer wieder die Möglichkeit Blicke auf den See zu erhaschen. Nach ca. 1 Stunde in der Mittagsonne erreicht man ein Straßendorf mit typisch schweizerischer Architektur sowie einem Brunnen aus 1880, von dem aus man das erste Mal erahnen kann wie die Aussicht von weiter oben aus sein wird.
Nach einer weiteren Stunde, entlang mannshoher Maisfelder und Kuhweiden, erreichte ich das Bio-Hotels L’Aubier in Montezillon, das 400 Meter über dem Neuenburger See gelegen ist.
Nach einem herzlichen Empfang and er Rezeption und einer intensiven Beratung zur Freizeitgestaltung auf dem Jura-Hochplateau, fand ich mich auf der Terrasse im Gespräch mit einem anderen Gast wieder. Dort bekam ich, anhand von 2 zart gekochten Stück Lamm in braunem Jus begleitet von Couscous mit Kichererbsen und Röstgemüse, auch erste Einblicke in die Kochkünste des Küchenchefs.
In der Zwischenzeit wurde das mir zugeteilte Zimmer frei. Es trägt den Namen “Quoi de 9″, was soviel bedeutet wie “Was gibt es Neues”. Die neueren Zimmer an der Rückseite der Hotelanlage tragen alle Namen nach schweiz-französischen Floskeln, wobei die Zimmer im Hauptgebäude nach Blumen benannt sind. “Quoi de 9″ ist einfach und dezent eingerichtet, um nicht von dem wunderbaren Blick über ein kleines Wäldchen auf den Neuenburger See abzulenken.
posted on 23.08.2011 - Nach einer kurzen Erholunspause packte ich ein paar Dinge zusammen und machte mich mit der Wanderkarte des Hotels und einem Rad auf den Weg die Umgebung zu erkunden. Das Hotel Aubier liegt genau zwischen dem See und dem Hochplateau des Jura. Die Region eignet sich ausgezeichnet für einen kurzen Ausflug mit dem Rad. Mehrer Wanderwege, die auch mit dem Rad befahrbar sind, führen durch kleine Wäldchen zu den Nachbardörfern. Egal wo man sich gerade befindet, der Panoramablick auf den Neuenburger See und die dahinter liegenden Alpen lassen den Blick immer wieder von der Landschaft abschweifen.
Nach einer halben Stunde entschloss ich mich an das Seeufer zu fahren. Man überquert auf frisch asfaltierten äußerst kurvigen Straßen Wiesen und Felder, durchquert Colomier (eine kleine mittelalterliche Stadt) und erreicht schließlich das Ufer. Das klare Wasser verleitet sofort zu einer schnellen Abkühlung und der Strand bietet ein gutes Plätzchen sich ein bisschen auszuruhen. Bei der Rückfahrt zum Hotel passiert man Auver, eine wunderschöner kleiner Weinort. Mittelalterliche Gebäude sind durchsetzt von Weingärten und man findet mehr als ein Plätzchen an dem man den ganzen Nachmittag verbringen könnte. Sobald man den Ort durchquert hat bietet sich ein wunderbarer Blick auf den See. Die Strecke zurück zum Hotel mit dem Rad zurück zu legen, kann ich nur sehr sprotlichen Personen empfehlen. Für eine entspanntere Rückkehr bietet sich der Bus an, indem man auf Räder transportieren darf. Erschöpft und hungrig zurück im Hotel, freue ich mich auf das Abendessen.
posted on 23.08.2011 - Nach dem Frühstück, das sich aus ausschließlich Hauseigenem Produkten zusammen setze (Brot, 6 verschieden Käsesorten und einer Tasse frischer Milch), führte mich Christoph Cordes, der gemeinsam mit seiner Frau Michèle Grandjean Cordes für die Leitung des Eco-Hotels l’Aubier und dem Café-Hotel in Neuenburg zuständig ist, über die Anlage von l’Aubier und beschrieb die Entstehungsgeschichte des Hofes, seine Philosophie sowie den Aufbau der verschiedenen wirtschaftlichen Einheiten von l’Aubier. Der Hof, vor 32 Jahren von zwei Freunden, einem Physikern und einem Pharmazeuten, übernommen und von Anfang an biodynamisch geführt. Mit den anfänglich 8 Kühen und den damals strengen Regeln zum Milchverkauf ab Hof, gründeten sie einen Verein für Milchverzehr, bei dem jeder der 1 Liter Milch kauft, automatisch Mitglied und Miteigentümer der Kühe wurde. Dieses System bildet den Grundstein für die heutige Struktur von l’Aubier.
Heute beherbergt der einstige Hof die Gäste des Eco-Hotels. Die darin lebenden Kühe durften vor 20 Jahren in den immer noch zukunftsweisenden Hof, der nur 50 Meter weiter steht, übersiedeln. Als Christoph Cordes mit mir an der Stallung stand um mir die ausgeklügelte Dachkonstruktion mit einer Votovoltaik-Anlage und einem Ventilationssystems zum trocknen des Heus zu erklären, kam Ueli Hurter, der Betriebsleiter des Landwirtschaftlichen Hofes l’Aubier mit einem Anhänger angefahren. In diesem befand sich eine Kuh mit ihrem Kalb das sie gestern auf dem Feld gebar. “Es ist unglaublich wie schnell sie wieder zu Wildtieren werden.” sagte der Landwirt und deutete auf die Kuh die grade aus dem Anhänger in die Stallung sprang und wie ein aufgeschrecktes Reh mit gespitzten Ohren und angespanntem Körper hinter einem Holzpfosten auf uns starrte. Sie wollten das frisch geboren Kalb und seine Mutter schon gestern in den Stall bringen, doch hatte sich das Kalb im nahegelegen Wald und den hohen Maisfeldern versteckt. Die 25 Milchkühe werden, wenn sie nicht auf den Weiden stehen, mit Heu oder überschüssigen Feldfrüchten wie Kartoffeln oder Mais gefüttert. Neben Mais und Kartoffeln werden auch noch Weizen, Karotten und Kürbisse für den Eigenbedarf produziert. Die Milch wird gleich in der angeschlossenen Käserei zu 6 verschiedenen Käsesorten und Joghurt verarbeitet. Nach einer kurzen Verabschiedung von Herrn Hurter führte mich Christoph Cordes in den Hof und zeigte mir die Energieversorgung der Anlage. Sie wird mit einer Holzschnitzelanlage und einer Blockheizung beheizt, wobei die Abgase mit einer Wärmerückführpumpe gereinigt werden und die Blockheizung Strom Produziert. Auch das Wasser das sich auf den großen Dachflächen der Stallung sammelt, wird in einer Zisterne gesammelt und bei geringem Verschmutzungsgrad als Toilettenwasser, sowie als Wasser für die hauseigen Wäscherei verwendet. Selbst die Restwärme aus der Kühlanlage der Küche wird genutzt und kann das Wasser für die Waschmaschinen auf 60% heizen. Es ist nicht schwer zu glauben dass Nachhaltigkeit im Vordergrund eines jeden Projektes von l’Aubier steht.
Das neuestes Projekt, direkt gegen über des Eco-Hotels l’Aubier, ist das “Les Murmures”, das soviel wie “Geflüster” bedeutet. Es ist ein Wohnprojekt bei dem ältere und jünger Menschen gemeinsam Leben. Davon jedoch etwas später.
posted on 23.08.2011 - Nach einem kleinen Snack zu Mittag, verließ ich voller Enthusiasmus das Hotel mit dem Rad. Mein Ziel war das Tal Gorge de l’Areuse zu durchwandern um dann einen der nahegelegenen Berggipfel am Ende des Tales zu erklimmen. Der Abstieg in das Thal erwieß sich als abenteuerlicher als auf der Wanderkarte eingezeichnet und versprach eine aufregende Tour entlang des Flußes. Nach nur 15 Minuten abstieg über steile Treppen und quer über den Weg liegende Bäume erreicht man eine asphaltierte Straße. Diese nahm mir die vorfreude der abenteuerlichen Tour, da man diese zwar immer wieder verlässt um durch den Wald zu spazieren, aber dann doch wieder auf sie stößt. Was mir zuerst als langweilig erschien, stellte sich aber als vorteilhaft heraus. Statt mich die ganze Zeit auf Schritt und Tritt konzentrieren zu müssen, konnte ich mir den wunderbar wilden Fluss, das Zerfurchte Tal und die umgebenden Wälder betrachten. Nach den ersten 2 Kilometern stößt man wieder auf Gebäude die, wie sich heraustellen sollte, die ersten von Vier Wasserkraftwerken sein sollten die dem mir schon reissend erscheinenden Fluss Energie entziehen um die Schweizer haushalte mit Grünem Strom zu versorgen. Die für 2,5 Stunden angeschriebene Strecke nach Noiraigue legte ich in 2 Stunden zurück, doch statt anschließend noch einen Gipfel zu stürmen, stieg ich erschöpft in den Zug und legte die Strecke für die ich zuvor in 2 Stunden gebraucht habe in nur 8 Minuten zurück… Nach einem erneuten Anstieg vom Bahnhof nach Montezillon, sitze ich nun erschöpft und hungrig freu ich nun auf das Abendessen.
posted on 24.08.2011 - Wie Vorgestern schon erwähnt, ist das Murmures ein weiteres Projekt von l’Aubier. Vor wenigen Jahren eröffnete sich die Gelegenheit den alten Bauernhof mit dem gegenüberliegenden Grundstück zu erwerben. Das bereits seit längeren diskutierte Projekt konnte umgesetzt werden. Les Murmures ist ein nachhaltiges Wohnprojekt in dem Alt und Jung gemeinsam in einer Art Geimeinschaftsdorf leben. Im Zentrum der kleinen Anlage steht das renovierte Bauernhaus, dass neben dem kleinen Spa-Bereich unter dem Dachgiebel mit Blick über den Neuenburger See auch noch eine Praktische Ärztin, 2 Physiotherapeuten und eine Friseurin beherbergt. Die Anlage besteht aus insgesamt 5 Gebäuden die um das Hauptgebäude platziert sind. Nicht nur der in Kleeblattform gehaltenen große Gemeinschaftsgarten ist mit dem Rollstuhl befahrbar, sondern 2 Lifte ermöglichen es alle Etagen der über den steilen Hang verteilten Gebäude zu erreichen. Für Menschen die nicht mehr gelenkig genug sind um mit beiden Händen den Boden zu erreichen, gibt es auch Hochbeete, um diese doch so wichtige Verbindung mit der Erde auch ihnen zu ermöglichen. Es wurde größter Wert darauf gelegt, dass von den Konstruktionsmaterialien bis hin zur Farbe alles aus ökologisch vertretbaren Materialien gefertigt wurde. Es ist wirklich ein beeindruckendes Konzept, denn die Bewohner können nicht nur den kleinen Spa-Bereich im Hauptgebäude nutzen, sondern auch die Wäscherei des Eco-Hotels l’Aubier in Anspruch nehmen. Ebenso können sie hinüber in das Restaurant gehen und die Produkte des Nachbarhofes verkosten und die kleine Boutique im Eco-Hotel bietet alles was ein Haushalt benötigt. All dies schafft ein wunderbares Umfeld um ein entspanntes und zugleich stimulierendes Leben zu genießen.
posted on 24.08.2011 - Ein großes Anliegen von l’Aubier, sowie der gesamten Leitung, ist die von ihnen im Jahr 2007 gegründeten Initiative “Zukunft Sähen”. Im Jahr 1999, als l’Aubier sein 20 jähriges Bestehen feierte, wollte man ein Zeichen setzten um die Verbindung die das Unternehmen als Kulturschaffendes Mitglied seiner unmittelbaren Umgebung hat, zu zeigen und verfestigen. Es wurden über 600 Personen eingeladen um am Hoffest teilzunehmen und als krönenden Abschluss stellten sie sich in 2 Reihen gegenüber von einander auf ein Feld vor dem Hof. Auf ein Zeichen hin begannen alle auf einander zu zu gehen und Saatgut aus einer Kappe auf dem Feld zu säen. “Es war ein magischer und sehr verbindender Moment mit den Menschen und dem Boden auf dem man stand.” meint Christoph Cordes, dem das Projekt sehr am Herzen liegt. Nicht nur Privatpersonen, sondern auch Personen aus dem öffentlichen Leben nehmen an dieser Veranstaltung Teil um ein Statement zu setzen: “Nein zu GMO, für Ernährungs- souverentiät und für mehr Verbundenheit zur Erde.”. Dieses Statement soll allerdings nicht ausschließlich für Bio oder Demeter Bauern gelten, sonder auch konventionelle Landwirte die gegen GMO sind ansprechen. Letztes Jahr war es Coline Serreau, eine französische Filmemacherin die sich in dem Film “Solution locales pour un désordre global” (Think global, Act rural) mit nachhaltiger Landwirtschaft auseinander setzte. Seit dem ersten Säen, breitete sich die Bewegung aus und in ganz Europa gibt es jedes Jahr solche Begegnungen. 2007 waren es 8, und 2010 bereits 78 Felder auf denen “Zukunft gesät” wurde. In Österreich fand das erste “Zukunft Säen” am 18.09.2010 in Wegwartehof in Göpfritz, NÖ statt.
Zukunft Säen ist eine Initiative bei der der Nachhaltigkeitsgedanken am Anfang steht, schon weit bevor der erste Schritt auf das Feld und die ersten Körner den Boden berühren.