Informationen über PHILIPP BRAUN
02.-05. Oktober 2011
posted on 03.10.2011 - Schon beim Stuttgarter Bahnhof zauberte es mir ein Lächeln ins Gesicht, als ich in den TGV 9574 einsteige. Was ist schon die Chris Lohner, wenn ich Richtung Straßburg unterwegs bin und mich die Lautsprecherdurchsage auf französisch über den nächsten Halt informiert. Einfach formidabel. Es ist aber nicht nur die Sprache. Sobald ich über der Grenze bin, versetzt mich Frankreich in Urlaubsstimmung, à point. Der Ton, das Essen, Filme, Mode,… wohin man schaut, fast überall wird bei mir gepunktet. Leider ist mein Französisch seit der Schulzeit etwas eingerostet und bevor ich in holprigen, stakkatoähnlichen „Französischsätzen“ meine Wünsche äußere, lass ich die Franzosen auf Deutsch mit mir kommunizieren. Klingt um Welten sympathischer J. Umso besser, dass sich das Hotel La Clairiere (die Lichtung) im Elsass befindet, wo Deutsch von ca. 91% der Grundschüler/innen gelernt wird. Der Ortsname vom Hotel nennt sich übrigens „La Petite-Pierre“. (Anmerkung für Hobby-Dolmetsche: der deutsche Ortsname ist aber nicht der Kleine Peter, sondern Lützelstein
.
Für mich steht das Elsass für große, hervorragende Küche und wirklich guten Wein. Einzige Schwierigkeit besteht darin, dass die 180-Biodyssey schon Spuren an mir hinterlassen hat. Wenn man mich so betrachtet kann von ausgemergelt (trotz der Reisestrapazen
) keine Rede sein, vielmehr signalisiert mir mein Körper, dass er bereit für den Winter wäre. Heute ist ja Montag, normalerweise ein optimaler Tag um Vorsätze gleich zu Beginn der Woche zu realisieren. Nur erstens haben wir noch nicht Winter, gerade im Gegenteil, bei sommerlichen Temperaturen blicke ich von der Hotelterrasse ins Grüne und zweitens gibt es nächste Woche noch einen Montag (eigentlich hat diesmal der Oktober sogar wieder 5 Montage). Also kann ich die schwere Entscheidung vertagen und widme mich lieber den lukullischen Gaumenfreuden.
Als kleiner Appetitanreger noch ein Spaziergang in den naheliegenden Ort zur Burg Lützelstein, danach im Wald über die humoristische Insektenausstellung schmunzeln und einer geistigen Vorbereitung aufs Abendessen steht nichts mehr im Weg.
Bon appétit!
posted on 04.10.2011 - Es ist der 4. Oktober 2011 und 9:00. Wie üblich im Oktober um diese Zeit nehme ich mein Frühstück im Freien ein und schlendere wohlgelaunt auf die pittoreske Terrasse des Hotels. Allerdings meide ich die pralle Sonne, die mir schon zu stark ins Antlitz strahlt, lieber genehmige ich mir ein Platzerl unter dem Schatten spendenden Schirm. Das Frühstück verleitet mich ungeniert dazu, den Morgen zum Tag zu machen und ganz laissez-faire in die nächsten Stunden hineinzuleben. Geht jedoch gar nicht, da ich den beinharten Job des Bloggers gewählt habe und das Hotel nach bestem Wissen und Gewissen inspiziere.
Das wiederum ist aber auch das Gute an dem „Beruf“, denn ansonsten hätte ich nie Gelegenheit bekommen, mit der Restaurantleiterin Martine Holveck zu plaudern, die mit der Bioszene schon seit Teenagertagen betraut ist und Referenzen in einer Bioschulküche, einem eigenen Biorestaurant oder aber auch in einem Biocatering vorweisen kann. Das alles zu einer Zeit, wo Bio noch klitzeklein in den Kinderschuhen steckte und teilweise mit Verzicht als mit Lebensfreude und Gewinn in Verbindung stand. Solch beinahe jahrzehntelange Erfahrung macht sich natürlich bemerkbar, kennt doch Frau Holveck nahezu alle Lieferanten aus dem Elsass persönlich. Das soziale Engagement, der Respekt mit der Mitwelt, eine weitergehende Reflexion und ein Denken in Zusammenhängen sieht die Gastromin als Beweggrund für den Einsatz (persönlich wie warenmäßig) von und für Biolebensmittel. In charmant, französischem Deutsch („Restaurant, wie sagt man dafür in Österreich“) erklärt sie mir etwas über die Philosophie der Küche und die Herkunft der Lebensmittel und wir plaudern über Essen, Essen, ja und Essen.
Für mich ist die Elsässische Küche, trotz (oder vielleicht sogar wegen) der scheinbaren Deftigkeit ein besonderes Gaumenspiel, verstehe aber gleichwohl, dass die traditionelle Küche (Bäckeoffe, Charcuterie, Choucroute garni, civet de lièvre oder Roigabrageldi) etwas im Widerspruch zu einem auf Leichtigkeit ausgerichteten Spa-Hotel stehen. Die Küche versucht und bemüht sich dennoch, die traditionellen Gerichte nicht ganz aus den Augen verschwinden zu lassen und adaptiert diese an die lukullischen Gelüste der Gäste. Knöpfle aus Mehl, Eier und Fromage blanc (Art Frischkäse) werden, nachdem sie im Wasser gekocht wurden, nicht noch dreimal in Butter geschwenkt und mit Speck wie Schlagobers serviert. Stattdessen gibt es als Beilage der Saison entsprechend ein Püree aus Kürbissen, was das Gericht etwas ärmer an Kalorien macht, ihm aber hervorragend passt und auch dementsprechend mundet. Als Amouse Bouche (Amuse Gueule wird in Frankreich eher selten gesagt, klingt es umgangssprachlich doch etwas vulgär) kommen ebenso gelegentlich traditionelle Klassiker als „Freude für den Mund“ auf den Tisch. Zum Fisch im Elsass ist zu sagen, den gibt es traditionell gleich als Dreierlei (Hecht, Zander und Aal) im Topf, in Begleitung einer cremigen Riesling-Sauce, besser bekannt als Mattelott. Auch der Lachs war früher heimisch, schwamm und laichte im heimischen Gewässser, alles zu einer Zeit als der Rhein noch reines, sauberes Wasser führte. Vor ca. 60 Jahren wurde leider der letzte Lachs seiner Art gefangen wurde. Ein weiteres typisches Gericht für das im Landesinnere gelegene Elsass, ist der als „Armeleuteessen“ bekannte Hering. Das Filet gebraten und serviert mit Zwiebeln, Äpfel und Schlagobers, kann durchaus vorzüglich schmecken. Im La Clairière spielt natürlich Fisch eine Rolle, aber wie auch bei den anderen Gerichten gilt hier genauso die Betonung auf Leichtigkeit. Diese Leichtigkeit zeigt sich sofort in den Arbeitsläufen der Küche. Mise en place, ein professionell eingespieltes Team brutzelt, schmort, kocht, souffliert,… perfekte Gerichte mit einer Selbstverständlichkeit an Gelassenheit, dass mir schon jetzt beim Schreiben das Wasser im Wunde zusammenläuft und ich liebend gerne wieder unten im Speisesaal sitzen würde. Mach ich auch gleich denn schmecken tut es liebe/r Leser/in,
posted on 05.10.2011 - Auf den Spuren des Briefträgers des 19. Jahrhunderts die mystische Landschaft erkunden und dabei die Ruinen von einem Römischen Tempel aus dem 1. Jahrhundert bewundern, die drei charakteristischen Felsen (Rabenfelsen, Heidenfelsen und Weißer Felsen) umrunden, oder sich in Loosthal den Wald erklären lassen. Viele Möglichkeiten tun sich auf, wenn man in die Landschaft rund ums Hotel La Clairière eintauchen will. Ob kurze, leicht erholsame Spaziergänge oder aber auch schwierige Zweitageswanderungen; eines vereint die Wanderungen in der Region La Petit Pierre: Erholung, Ruhe und das Baumeln der Seele. Für Outdooraktivitäten ist also bestens gesorgt, wenn man Indoor wieder seinen Mittelpunkt finden will, auch kein Problem. Saunen, Schwimm- Dampfbad oder Sonnenterrasse; alles vorhanden, und als Zuschlag Massagen à la TCM (Traditionelle Chinesische Medizin). Schweren Herzens lass ich meine sportliche Aktivität in der Tiefe schlummern und rolle mich auf den Massagetisch, um eine Tuinaanwendung zu genießen. Anfangs noch sehr entspannend werden aber dann meine Energiepunkte ordentlich gedrückt, die auf gewisse Blockaden hinweisen und es klingelt bei mir. Vor zwei Monaten wurde mir ja schon die Diagnose meiner Fehlstellung gestellt (siehe Hotel Eggensberger), diesmal hörte ich es nicht nur, sondern durfte es auch spüren. Autsch!!! Zusätzlich ist mein Kopf etwas zu beschäftigt (mit allerlei Gedanken und Ideen), und ich denke mir sogleich; was bringt mir ein Gedächtnistraining, Mnemotechniken oder Erinnerungsseminare. Ich brauche eher etwas, um die Hirngespinste zu vergessen, dann ginge es wieder geordneter in meinem Oberhaupt zu und ich müsste durch die Akupressur nicht schmerzhaft daran erinnert werden. Trotzdem kann ich so eine Tuina wärmstens empfehlen. Gelassen schlummere ich noch ein paar Minuten und stelle mich geistig auf mein neues Hotel in der Schweiz (Ucliva) ein.