Informationen über ALEJANDRO BOUCABEILLE
07.-09. September 2011
posted on 06.10.2011 - Nach einer anstrengenden Fahrt (Wien-Hannover-Hamburg-Bützow-Güstrow) und dem freundlichem Abholservice am Bahnhof durch die Hotelchefin persönlich, Frau Claudia Schaffhausen, komme ich am wunderschön gelegenen Gut Gremmelin an. Mein erster Eindruck ist: hier kann ich jetzt wirklich entspannen! Ruhe, eine wunderschöne Landschaft die mich etwas an Südfrankreich erinnert und ein großes, gemütliches Zimmer, ausgestattet mit allem was das Herz begehrt.
Die ruhige und doch zentrale Lage im ärmsten (aber nicht minder wertvollen) Bundesstaat Deutschlands, Mecklenburg-Vorpommern, das treffend restaurierte alte Gutshaus (aus dem Jahr 1800), die überaus freundlichen und hilfsbereiten Empfangsdamen (eine echte Gremmelerin sogar, die aus diesem kleinen 150 Seelen Dorf kommt und dem modernen Trend der Urbanisierung stand gehalten hat), mein mir zugewiesenes Zimmer (Nummer 13, keine Unglückszahl, was sich später noch erweisen wird) undsoweiterundsoweiterundsoweiter machen meine Ankunft und meine ersten Stunden zum außergewöhnlichem Erlebnis. Yuppie…ich bin Teil des Biodysseyteams. Ich bin etwas stolz, dieses Privileg erlangt zu haben, die BIO-Hotels besuchen zu dürfen.
Beim gut schmeckenden Güstrower Schlossquell Mineralwasser und dem herrlichen 3 Gänge-Menü, führen die unterhaltsame Frau Schaffhausen und ich ein interessantes Gespräch. Auf meine Frage hin, wie sie den zu den Biohotels gekommen sei, antwortet die junge Chefin, dass sie die Idee für das Hotel schon mit 20 hatte und es schon mit 21 Jahren dank ihres Vaters verwirklichen konnte. Ja, während andere mit 21 regelmäßige Besucher von Discos und der gleichen Etablissements sind, empfängt Frau Schaffhausen schon regelmäßig ihre eigenen Besucher, vor allem Seminargäste. Denn nach der Wende, als sie dieses baufällige und renovierbedürftige Grundstück kaufte, konzipierte sie das Hotel als ein sehr persönliches Seminarhotel. Dank diesem tollen, von Kunden sehr angenommenem Konzept und die absolute Realisierung von Gastfreundschaft, bekam Gut Gremmelin einige Auszeichnungen als ausgezeichnetes, bestes Tagungshotel.
Als der Zubau fertig wurde und die Gutsfrau Schaffhausen nach noch einer Qualitätssteigerung für ihr Haus suchte, wurde sie auf das Konzept der Biohotels aufmerksam. Wichtig waren ihr die persönliche Beziehung, die hohe Qualitätsstufe und die soziale Verantwortung. So wurde aus diesem wunderschönen Gut ein Biohotel!
Hier wird es eindeutig: Ja, ja, ja und nochmals ja. Ein relativ kleines (Bio-)hotel mit ausgezeichnetem Service ist alles andere als unmöglich. Hier beweist das Gut Gremmelin, das es sehr wohl, durch ein intelligentes Konzept möglich ist, Ruhe-Entspannung-Kulinarik-persönliches Service auf höchstem Niveau zu bieten. Wie schafft das die Gutsherrin eigentlich? Eine starke Frau, die dieses Haus mit 21 Jahren aufgebaut hat und eigentlich nicht vom Fach ist. Der Grund liegt sicherlich an ihrer persönlichen Philosophie: Kommunikation, eine kleine überschaubare persönliche Größe des Guts und die ehrliche, tatsächliche Realisierung von Gastfreundschaft. Letzteres vergessen ja viele die den Tourismus und die Gastronomie von der Pike auf gelernt haben. Es verkommt meistens zu nicht ernst gemeinten Standardfloskeln.
Hier ein Auszug aus meinem Tagebuch, das ich beim letzten Abendessen (nicht Abendmahl!) schrieb:
Ein Land mit einer weit reichenden, bunten Geschichte: seit der Völkerwanderung (6. Jh.) bis in das 12. Jahrhundert durch Slawen bewohnt, wurde Mecklenburg-Vorpommern ab dem 13. Jahrhundert durch die deutschen Ritterorden (Tempelritter usw.) erobert und zwangschristianisiert.
Wie der bekannte Schriftsteller Theodor Fontane in seinem oftmals zitierten, aber selten gelesenem Werk „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, trefflich zu einer Zeit der wertvollen und beliebten Bildungsreisen in den Süden (Italien, Griechenland) beschreibt, hat das heutige Deutschland und vor allem dieser nördlichste Bundesstaat auch vieles an Historie und Kultur zu bieten. Man muss nicht, im Kantschen Sinne, verreisen um etwas zu erleben.
Oder wie einst Sokrates einem erwiderte: „Was wunderst du dich, dass deine Reisen dir nichts nützen? Bist du es nicht selber, den du herumschleppst? Was dich forttrieb, sitzt dir unmittelbar auf dem Nacken“.
Stimmt und stimmt auch wieder nicht. Hier, ein Land, das es zu entdecken gilt und absolut durch die Werbung (nicht das Landesinnere wird beworben sondern die Ostsee) des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommerns zu kurz kommt: das Land, in dem auch einige andere berühmte Autoren wie Theodor Fontane, Heinrich von Kleist, Ernst Barlach oder Uwe Johnson einige ihrer Werke schrieben und wahrscheinlich ähnlich denken würden wie ich: …lasst es lieber ein Geheimtipp sein und uns des Öfteren dort vergnügen und entspannen! Ruhe pur! Bis auf bald!
posted on 16.10.2011 - Nach einem langen Gespräch mit dem Serviceleiter vom Gut Gremmelin bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es gar nicht so leicht ist, eine Bio-Bar zu organisieren. Dieser höfliche, sympathische Herr, der seine tägliche Arbeit mit sehr viel Wärme, Engagement, Wissen und einer ganz besonderen Art ausübt, gab mir den Anlass darüber nachzudenken. Wie der Leser wohl nicht erinnert werden muss, geht es hierbei nicht um die Konzipierung und Organisation einer klassischen American Bar in einem „normalen“ Hotel, sondern hier geht es bei uns um vielmehr. Wir befinden uns in einem Biohotel, welches demnach nur Bioprodukte führt. „Eine ganz leichte Aufgabe“ wird der eine sagen, während der andere seine totale Unkenntnis durch „Bio…was ist Bio…?“ ausdrücken wird. Ein anderer, von derer Sorte es sehr viele gibt, wäre geneigt, fast wegzurennen, wenn die Person das Wort „Bio“ hört. „Bio? Körner und Gemüse…jeje?!“. Auf jeden Fall sind die Reaktionen und Erwartungen sehr unterschiedlich, obwohl es natürlich eine klare Definition von „Bio“ gibt. Denn um dieses drei-buchstaben-lange Wort als besonderes Attribut hinzufügen zu können, bedarf es komplizierter Kontrollen und strenger Auflagen. Ein Biohotel und Bioprodukte stehen für Qualität, stehen für Bio, stehen wörtlich richtig auch für L-E-B-E-N.
Nun, zurück zu unserer Ausgangslage. Wir haben einen Restaurantleiter der in einem Biohotel (einem ausgezeichneten dazu: Gut Gremmelin) eine Bar, also eine Bio-Bar, organisieren will. Was braucht er? Wie können wir ihm helfen? Wohlan, aufgepasst! Bei der Erörterung dieser einen einzigen Frage lösen wir eine ganze Welle, eine ganze Flut, ja, eine ganze Lawine von Fragen aus, die wir uns folglich stellen müssen.
Um meine sehr einfache Definition von einer Bar zu geben und diese Frage zu beantworten, ist eine Bar ein Ort, in dem verschiedenste Getränke offeriert werden. In unserem Fall: Bio-Getränke, das heißt Getränke die biologisch einwandfrei angebaut und gewonnen (gebraut, destilliert, gereift usw.) wurden. Dabei wird auch noch Wert auf Regionalität gelegt. Ist der Leser einverstanden? Um es nicht zu verkomplizieren, habe ich es natürlich sehr vereinfacht ausgedrückt, doch möge mir der Leser verzeihen, aber bei diesem Text geht es nicht um ein Bio-Gutachten sondern um einen kurzen Beitrag. Wo waren wir stehen geblieben? Ja, also, wir haben zu definieren versucht, was eine Bar, eine Bio-Bar ist.
Nun, bleiben nur die Produkte einer solchen Bar zu behandeln. Dabei gibt es allerdings einige Schwierigkeiten und Fragen, die ich hiermit zur Überlegung mitgeben will.
Fast jeder von uns schätzt einen guten Tropfen Wein, ein Schluck edlen Schnaps oder einer beliebigen Spirituose. Doch ist es im Sinne von Bio und Regionalität in Ordnung eine gute Bio-Weinflasche Cabernet Sauvignon aus Argentinien in einem Hotel in Deutschland auf der Karte zu führen und gleichzeitig um dieser Qualität und diesen zwei Pfeilern gerecht werden zu wollen, auf den kubanischen Bio-Rum (sofern es einen gibt; der wäre ja wahrlich revolutionär!) zu verzichten? In diesen Breitengraden werden naturgemäß andere Produkte angeboten als im Norden Mecklenburg-Vorpommerns. Doch was gehört in eine Bar? Eine Orange, verzeihen Sie, eine Bio-Orange? Doch, die gewinnt man sicherlich nicht im Norden Deutschlands. Ist das aber heute schon notwendig? Gehören (Bio-)Orangen nicht schon zum allgemeinen Sortiment eines jeden Restaurants und einer Bar? Wie ist es mit anderen Früchten (nicht nur für die Küche, auch für eine gut sortierte Bar), wie Kiwi, Cocktail-Kirschen, Limetten oder anderen exotischen Früchten? Vor allem bei der großen bunt gemischten und breiten Welt der Spirituosen wird es da schwierig. Meistens liegt ja ihre Stärke in dem fremden, exotischen Geschmack, den diese durch ihre lokale Herkunft mitbringen. Ist es aber in Ordnung oder gar notwendig ein Porto aus Portugal auf der Karte zu haben und gleichzeitig auf den Bio-Tequila zu verzichten, der vielleicht populärer ist und daher öfter getrunken wird? Wo zieht man (auch frau natürlich!) den Schlussstrich? Dies ist eine schwere Entscheidung und wird sich sicherlich je nach Hotel, der angestrebten Richtung und den individuellen Bedürfnissen richten.