Informationen über PHILIPP BRAUN
09.-12. September 2011
posted on 10.09.2011 - Nach 4 ereignisreichen Tagen bei den Kenners zieht es mich weiter in den Norden und zwar nach Prerow an der Ostsee. Zur Bewältigung der Strecke wähle ich diesmal unterschiedliche Transportmittel. Zuerst ein bequemes Auto, natürlich betrieben von Biogas, danach stelle ich mich auf eine Fähre zum Übersetzen, mache es mir im Zug bequem und zu guter Letzt absolviere ich ein paar Kilometer mit dem öffentlichen Bus. Was noch fehlt zum mobilen Glück auf Erden ist der Rücken der Pferde. Gerade ich Philipp (als der Pferdefreund) wäre dafür ja prädestiniert, einzig die Vernunft flüstert mir ins Ohr, vorher noch ein paar Reitstunden an der Longe zu nehmen, um fest im Sattel zu bleiben. So schnappe ich mir einen Esel aus Draht und erkunde wie im Galopp die Westküste an der Ostsee. Mystisch wirkt die Landschaft des Bruchwaldes auf mich ein, faszinierend das dschungelartige Zusammenspiel aus Wald und Sumpf. Ehe ich mich versehe, erscheint am Ende des Waldes eine Lichtung, ich steuere darauf zu und nun macht sie sich breit vor mir: Die berauschend, glitzernde Ostsee mit seinen vorgelagerten, fragilen, weißen Dünenbänken. Ich verharre einige Zeit am Strand und amüsiere mich an dem Treiben der Möven, die erfolglos versuchen, Fische zu fangen. Rund um mich picknicken jungen Leute in trauter Zweisamkeit. Etwas sentimental geworden trete ich den Rückweg an, um mich in ein amouröses Abenteuer zu begeben.
Wahrlich geflogen sind sie auf mich, sie umschwirrten mich in einer nie zuvor erlebten Weise. Mit einer derartigen Verbundenheit konnte ich direkt spüren wie groß deren Liebe nach mir ist. Bestechend scharf sah ich es ihnen an, wie gleich mehrere ihrer Art um mich kämpften. Manche bevorzugten an mir meine weichen Stellen, dort wo die Haut sehr dünn ist, um mir zu signalisieren, dich will ich jetzt und sofort. Andere gingen eher den steinigen Weg und hefteten sich an meine Jean, meinen Pullover, schauten mir kurz und frech ins Gesicht, als wollten sie andeuten, für dich ist mir kein Weg zu schwer. Einige säuselten mir ins Ohr, andere tanzten auf meiner Nase herum. Und ich ignoranter Rüpel, ich sturer Esel, erhörte keines der Liebesangebote. Es waren einfach zuviel, um mich für eine zu entscheiden, mit der ich mein Blut teilen würde. In einer Überforderung konnte ich nur noch eines machen. Mich unter meiner Kapuze verstecken und die Flucht ergreifen….
posted on 11.09.2011 - weil mir gerade danach ist und weil wir Sonntag haben, gibt es heute von mir ein paar andere Zeilen…
Was bewegt die Wogen, die es wagen
Sand zu spülen, sanft zu spielen
Berauschend zu rauschen
In klitzekleinen Funken zu glitzern
Wieso fliegen die Möven Manöver
Frei, befreit und voller Freude
Lassen sich im Meere treiben und betreiben
Ihren Gesang mit vollem Klang
Weshalb besteigen die Touristen diesen Steg
Um in die See fern zu sehn
Um in der Sonne schwitzend zu sitzen
Um laut zu plaudern
Warum liege ich in einem Korb
Bedankend neue Gedanken tanken
Schaue ins Meer aus Wolken
Und versuche die See zu verstehn
Es ist die Mär vom Meer
Der einzigartige Stil der Stille
Die Vergabe der Hingabe
Das Einlassen aufs Loslassen
posted on 11.09.2011 - Diesen sommergrünen Baum und das im Wasser lebende Säugetier würde nun nicht gleich jeder an der Ostsee vermuten, noch dazu in einer Beziehung, die für beide befruchtend ist. Ehrlich gedacht konnte ich es mir bis gestern auch schwer vorstellen, wenn ich es nicht meinen eigenen Augen gesehen hätte. Betrachten wir doch einmal den Ginko näher. Nicht alleine die Auszeichnungen wie Baum des Jahres oder gar Baum des Jahrzehnts machen ihn so begehrenswert, sondern vielmehr ist es die Kraft die in ihm schlummert, die Form seiner freundschaftlich angeordneten Blätter oder auch sein beträchtliches Alter welches über 1000 Jahre reichen kann. In Prerow ist der Ginko noch zart und jung und vollzieht seit wenigen Monaten, frisch in die Erde gepflanzt, seinen Einstieg in die Biowelt. Dezent macht er sich an manchen Stellen bemerkbar und haucht mit seinem zarten Grün Sinn in die Umgebung. Den findet man selbstverständlich auch in Form einer breiten Palette an Behandlungen, Massagen und Aktivitäten: Fußreflexzonen, Lymphdrainage, Hot Stone, hawaiianische Lomi Lomi Nui, Tellington-Touch, Mukabhyanga, Padabhyanga oder auch Cranio-Sakral, klassische Homöopathie, Tai Chi, Yoga und Qi Gong reduzieren das Sein aufs Wesentliche.
Für die innerliche Reinigung und Selbstfindung empfiehlt es sich, auch einmal ein paar Tage den Genuss von Fleisch, Genussmittel oder Sonstigem hinten anzustellen und eine kleine Fastenzeit einzulegen. Falls der Hunger doch so groß wie ein Bär oder gar Wal wird, fährt man einfach dort hin – zum Walfisch, der auf eine bewegte Geschichte blickt. Seit 1890 liegt er in unmittelbarer Boddennähe und konnte mitverfolgen, wie Leute den Bund der Ehe begingen, Jugendliche herumtollten oder seit knapp einer halben Dekade verantwortungsvolle Genussmenschen sich an biologischen Leckereien erfreuen. Eine Mecklenburger Kartoffelsuppe mit Backpflaumen ist von einer mollig cremigen Konsistenz, die Säure der Gurken spielt mit der Süße der Pflaumen und verleiht der Suppe ein zart nuanciertes Wechselspiel unterschiedlicher Aromen. Ein Zander mit einem zart, weichen Fleisch und einer kross gebratenen Haut, dazu Erdäpfel mit Petersilie bestreut unterstreicht, wie wenig es braucht, um Fisch voll zur Geltung zu bringen. Als Abschluss ein Pflaumen-Streusel-Kuchen der frisch auf dem Ofenblech gebacken wurde, versüßt die ohnehin gewaltige Aussicht aufs Küstenwasser.
Und so unterstützen sich die zwei Hotel in ihren Anliegen und machen die Gegend für Touristen noch attraktiver. Für ein Mittag- und/oder Abendessen wird man ins Walfischhaus nach Born geschickt, für energiespendende Behandlungen zahlreicher Art lotst man die Leute ins Ginkgo Mare in Prerow.
posted on 16.09.2011 - So ein Biodyssey-Aufenthalt an der Ostsee ist zwar sehr entspannend und animiert durchaus, seinen Zeitraum etwas zu verlängern. Hilft aber alles nichts, denn es wird Zeit sich wieder einem anderen Ort zu widmen. In einer fast periodischen Wanderbewegung fahre ich wieder heim, um demnächst erneut Hotel, Land und Leute kennen zu lernen. Da erscheinen die Gezeiten beziehungsweise die Gravitation von Sonne und Mond in einem ganz anderen Licht. Die Anziehungskraft von den Biohotels ist überwältigend groß und so residiere ich in weiteren Hotels und plane meine Aufenthalte in Süddeutschland, Frankreich und bei den Eidgenossen in der Schweiz. Prerow an der Ostsee freut sich derweil auf die Neuankömmlinge von Skandinavien. Eine schier unglaubliche Zahl von 40.000 Kranichen macht es sich an der Halbinsel Darß bequem, um sich Reserven für den kräfteraubenden Weiterflug in den Süden anzufuttern. Recht haben Sie, die Grauer oder Graukraniche.
Mein Hemd ist übrigens nicht mit mir mitgekommen, das hat sich lieber an den Bio-Holzhaken im Ginkgo Mare gehängt und genießt noch ein paar Tage im neuen Biozimmer, lugt aus dem Kasten heraus und freut sich über den schönen ökologischen Eichenparkettboden, über die Biomatratze, die schlafsüchtig macht und über das schick verflieste neue Bad. Irgendwann geht es dem Hemd aber doch an Knopf und Kragen und es wird dankenswerterweise von Silke und Dirk (den Hotelbesitzern) in ein Paket verpackt. Von dort geht es, sogar auf Händen getragen, zurück an meine Adresse in Gmunden, um sich weiterhin an meinen Körper zu schmiegen.