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Erlesen: Natur im Rebberg – ein Gebot der Qualität.

Fragt man erfolgreiche Winzer nach ihrem Geheimnis, dann hört man immer häufiger: "Wir achten auf die Natur".

Die Reben werden nicht zu Höchsterträgen gezwungen, zwischen den Zeilen wachsen Gräser und bieten Lebensraum für Kleinlebewesen und Mikroorganismen, welche das biologische Gleichgewicht im Rebberg aufrecht erhalten.

Im kontrolliert biologischen Rebbau gelten strenge Regeln zum Schutze der Natur. Chemisch-synthetische Mittel zur Pflanzenbehandlung sind verboten. Dagegen wird beispielsweise Kupfer seit Jahrzehnten von vielen Winzern als sogenannte "bouillie bordelaise" auf die Reben versprüht. Allzu sorglose Weinbauern verwendeten bisher zehn bis zwanzig Kilogramm in der Überzeugung, nur massives Vorbeugen helfe wirklich den gefürchteten Falschen Mehltau in Schach zu halten. Das Schwermetall sammelt sich im Boden und wirkt insbesondere in saurem Milieu toxisch auf Jungreben und Regenwürmer.

In vorderster Reihe der Unternehmen, welche den kontrolliert biologischen Weinbau vorantreiben, findet man das Weinhaus Delinat. Es fördert seit 1980 Europas Bio-Weine. Dazu gehört ein eigenes Qualitätszeichen und ein Forschungsprojekt in der Provence, welches sich unter anderem mit der Kupferproblematik beschäftigt. Château Duvivier (Coteaux Varois/Provence) unterscheidet sich in manchem von einem gewöhnlichen Weingut. 1990 kaufte Delinat die Domaine, stellte sogleich um auf biologischen Rebbau und startete gezielte Versuche, um den Rebbau noch naturnaher zu gestalten. Inzwischen haben sich über 4000 Kundinnen und Kunden am Weingut beteiligt und unterstützen so die Forschungstätigkeit.

"Höchstens 3 Kilogramm Kupfer" legte Delinat als Ziel fest. Und gleichzeitig sollte auf Château Duvivier erforscht werden, ob ganz auf Kupfer verzichtet werden kann. Die Versuchsparzellen teilte man in Zonen ein, in denen unterschiedliche Kupfermengen eingesetzt wurden. Heute können die Reben mit weniger als 2 Kilogramm Kupfer pro Hektar und Jahr wirksam vor dem Falschen Mehltau geschützt werden und die Versuchsparzelle mit Null Kupfer zeigt in normalen Jahren keinen wesentlich höheren Befall. Eine ersatzweise Behandlung mit einem natürlichen Tonerdemehl genügt, um die Reben gesund zu halten.

Ähnlich erfolgreich sind die Begrünungsversuche. Üblicherweise wird der Boden zwischen den Reben in vielen Weinbergen während der Vegetationsperiode mehrmals gehackt um zu verhindern, dass Gräser wachsen. Man befürchtet, diese könnten den Reben Wasser und Nährstoffe rauben, dabei ist gerade ein kahler Boden für dessen Struktur wie auch als Lebensraum für Kleinlebewesen ungünstig – das natürliche Gleichgewicht ist gestört. Seit 1995 werden auf Château Duvivier verschiedene Einsaaten geprüft. Heute steht fest, dass eine ganzjährige Begrünung auch in der trockenen Provence möglich ist, sofern man diese langsam, sorgfältig und nur mit schwach zehrenden Pflanzen einführt (Beispiel Leguminosen, Gerste). Sie muss auf jede zweite Gasse beschränkt sein; in der anderen Gasse wird jeweils gehackt.

Ein besonderes Augenmerk gilt auch der Förderung pilzwiderstandsfähiger Rebsorten, welche überhaupt nicht behandelt werden müssen. Dabei stehen mehrere Rebsorten zur Wahl. Kniffligste Aufgabe ist hier jene Sorten auszuwählen, welche Weine hervorbringen, die allgemein zu gefallen vermögen.

Dieser Anbau hat heute international ein Niveau erreicht , welches absolute Spitzenweine möglich macht. «Viele unserer Winzer sehen in der Umstellung auf biologischen Anbau schlussendlich auch nichts anderes als eine logische Konsequenz des Terroir-Gedankens. Wer vom Terroir spricht und gleichzeitig den Boden mit Fungiziden, Pestiziden und Herbiziden malträtiert, ist heute nicht mehr glaubwürdig», sagt Peter Kropf vom Bio-Weinhaus Delinat und ergänzt: «Hochstehende Bio-Weine versprechen dagegen mehr als nur Weingenuss, denn sie sind immer auch ein Beitrag zu einem intakten Ökosystem Rebberg.»

Keine Frage des Preises »
Auch ein zweites, sich hartnäckig haltendes Vorurteil, konnte der Vergleich von hochstehenden Bio-Weinen mit konventionell angebauten Spitzengewächsen entkräften:
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